Ein Teil der verbliebenen Elchgeweihkorallen vor Florida soll den Sommer nicht mehr im offenen Meer verbringen: Forschende brachten am Mittwoch 30 Korallenfragmente aus küstennahen Aufzuchtstationen in eine Brutstation an Land. Sie reagieren damit auf steigende Wassertemperaturen und erste Anzeichen von Hitzestress. Nach Einschätzung von Diego Lirman, außerordentlicher Professor für Meeresbiologie an der University of Miami, könnte 2026 ein besonders schweres Jahr für die Korallenbleiche werden – möglicherweise noch belastender als 2023. Eine lang anhaltende Bleiche könnte die bedrohten Bestände weiter dezimieren.
- Forschende bargen 30 genetisch unterschiedliche Fragmente von Elchgeweihkorallen vor Floridas Küste.
- Die Korallen wurden gekühlt transportiert, gereinigt und anschließend in Becken einer Brutstation gesetzt.
- Von Broward County bis zu den Florida Keys gelten die natürlichen Bestände bereits als funktionell ausgestorben.
- Florida hat im vergangenen Jahrzehnt vier Ereignisse mit massenhafter Korallenbleiche erlebt.
Hitzestress löst die Bergungsaktion aus
Bei dem Einsatz wählten Taucher gezielt genetisch unterschiedliche Korallenstücke aus. Jedes Fragment wurde in feuchte Luftpolsterfolie gewickelt und in einer Kühlbox an Land gebracht. Vor dem Umsetzen in die Becken der Brutstation wurden die Korallen desinfiziert.
Auslöser der Vorsichtsmaßnahme sind die steigenden Temperaturen im Meer. Die Forschenden beobachten nach Angaben Lirmans bereits Hinweise darauf, dass die Korallen unter der Wärme leiden. Mit der Verlagerung an Land lässt sich zumindest ein Teil des Bestands unter kontrollierten Bedingungen erhalten, falls es im Meer zu einer erneuten großflächigen Bleiche kommt.
Die Ausgangslage ist besonders kritisch: Eine Hitzewelle im Jahr 2023 und eine weniger schwere Wärmeperiode 2024 dezimierten die Elchgeweihkorallen zwischen Broward County und den Florida Keys. Die noch vorhandenen Kolonien sind laut Lirman zu klein und liegen zu weit auseinander, um sich in freier Natur fortzupflanzen.
Funktionell ausgestorben bedeutet damit nicht, dass keine Korallen mehr existieren – wohl aber, dass der verbliebene Bestand sich ohne Hilfe nicht mehr selbst erhalten kann.
Bei der Korallenbleiche bricht eine wichtige Lebensgemeinschaft zusammen
Korallen leben mit mikroskopisch kleinen Algen zusammen, die ihnen unter anderem Energie liefern und ihre Farbe prägen. Bei anhaltendem Hitzestress kann diese Gemeinschaft zerbrechen; die Koralle bleicht aus. Hält die Belastung lange genug an, kann das Tier sterben.
Nach Lirmans Einschätzung bleibt den Korallen zwischen den Hitzephasen zunehmend zu wenig Zeit zur Erholung. In Florida wurden innerhalb des vergangenen Jahrzehnts vier Ereignisse mit massenhafter Bleiche registriert.
Die Folgen wären nicht allein auf einzelne Arten begrenzt. Korallen bilden Riffe, die weltweit für Fischerei und die Produktion von Meeresnahrung, den Schutz von Küsten vor Sturmfluten sowie den Tourismus wichtig sind. Das bedeutet: Der Erhalt der Elchgeweihkorallen ist zugleich ein Versuch, Funktionen zu sichern, von denen Küstengemeinden und Wirtschaftszweige abhängen.
Genetische Vielfalt dient als Absicherung gegen weitere Verluste
Die University of Miami tauscht Korallen mit anderen Forschungsteams und Einrichtungen aus. Dadurch soll möglichst viel von der ursprünglichen genetischen Vielfalt sowohl in Aufzuchtanlagen im Meer als auch in Brutstationen an Land erhalten bleiben. Fällt ein Standort aus, wäre damit nicht automatisch das gesamte dort bewahrte Erbgut verloren.
Für die Forschung sind die 30 Fragmente deshalb mehr als eine Reserve: In ihrer genetischen Vielfalt könnten Eigenschaften liegen, die einzelnen Korallen eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Wärme oder die Versauerung des Meeres verleihen.
Welche Fragmente solche Merkmale tatsächlich besitzen, ist nicht absehbar. Geht eine genetische Linie jedoch vollständig verloren, kann sie bei einer späteren Wiederansiedlung nicht mehr genutzt werden. Die Verlagerung an Land verschafft den Forschenden somit Zeit – sie ersetzt aber nicht die Bedingungen, unter denen sich Elchgeweihkorallen langfristig wieder selbstständig im Meer vermehren könnten.
Sollten bedrohte Korallenbestände stärker in Brutstationen an Land gesichert werden, oder muss der Schwerpunkt auf ihrem Lebensraum im Meer liegen? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























