SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell hat den etablierten US-Mobilfunkanbietern eine direkte Kampfansage gemacht: Starlink Mobile solle Kunden von AT&T, Verizon und T-Mobile abwerben. In der ersten Bilanzkonferenz des Unternehmens erklärte sie, SpaceX wolle neben seinem Satellitensystem auch ein terrestrisches Mobilfunknetz errichten. Die nächste Generation der Starlink-Mobile-Satelliten soll 2027 starten, ein verbesserter Dienst bis Ende desselben Jahres folgen. Während Elon Musk eine bessere Verbindung als bei heutigen Mobilfunkanbietern in Aussicht stellte, verwies T-Mobile auf die bislang geringe Nutzung satellitengestützter Verbindungen.
- SpaceX plant für Starlink Mobile ein kombiniertes Netz aus Satelliten und kleinen Bodenstationen.
- Das Unternehmen will dafür 65 Megahertz an Frequenzspektrum von EchoStar nutzen.
- Die nächste Satellitengeneration soll 2027 starten, der verbesserte Dienst bis Jahresende folgen.
- AT&T und Verizon reagierten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
„Ich gehe davon aus, dass wir etliche ihrer Kunden gewinnen können, weil unser Dienst meiner Meinung nach besser sein wird“, sagte Shotwell über die drei großen US-Anbieter.
SpaceX verspricht einen hundertfach besseren Dienst
Bislang ergänzt Starlink Mobile herkömmliche Mobilfunknetze vor allem dort, wo keine Verbindung über Funkmasten am Boden verfügbar ist. Die Satelliten übernehmen dabei vereinfacht die Funktion von Mobilfunkstationen im All und können kompatible Telefone unter anderem in abgelegenen Gebieten oder in Notfallsituationen verbinden.
In den USA arbeitet SpaceX dafür mit T-Mobile zusammen. Der unter dem Namen T-Satellite angebotene Dienst ist allerdings kein vollständiger Ersatz für einen üblichen 4G- oder 5G-Tarif. Das soll sich mit zusätzlicher Funkkapazität und neuen Satelliten ändern: Shotwell stellte gegenüber dem heutigen Starlink-Mobile-Angebot eine hundertfache Verbesserung in Aussicht.
Die dafür vorgesehenen 65 Megahertz stammen aus einem Geschäft mit EchoStar. Die US-Kommunikationsbehörde FCC genehmigte im Mai die Übertragung des Spektrums an SpaceX. Es kann demnach für satellitengestützte, terrestrische oder kombinierte Anwendungen eingesetzt werden.
Frequenzspektrum ist die Grundlage jedes Mobilfunknetzes: Es bestimmt, in welchen Bereichen ein Betreiber Signale übertragen und wie viel Kapazität er bereitstellen kann. Die von SpaceX erworbenen 65 Megahertz liegen laut den Berichten deutlich unter den Frequenzbeständen der drei etablierten US-Anbieter. Für einen direkten Wettbewerb bedeutet das, dass SpaceX seine vorhandene Kapazität besonders effizient einsetzen oder weiteres Spektrum sichern müsste.
Kleine Starlink-Stationen sollen klassische Funkmasten ergänzen
Shotwell skizzierte dafür ein Netz aus kleinen Mobilfunkstationen, die zusammen mit Starlink-Schüsseln installiert werden könnten. Solche kompakten Funkzellen ließen sich nach ihren Worten dort verteilen, wo zusätzliche Abdeckung benötigt wird.
Musk sagte, SpaceX sei „ziemlich zuversichtlich“, statt großer, teurer und schwer zu platzierender Mobilfunkstationen eine große Zahl kleiner Anlagen aufbauen zu können.
Starlink-Antennen befinden sich häufig auf Dächern von Häusern und Unternehmen und haben dadurch freie Sicht für Funkverbindungen. Musk erwartet, dass eine Kombination aus diesen Antennen und Mobilfunktechnik höhere Bandbreiten und eine bessere Verbindung bieten könne als die bestehenden Netze.
Ein solches Hybridmodell wäre für SpaceX entscheidend: Satelliten können Versorgungslücken schließen, ein vollwertiger Mobilfunkanbieter muss jedoch auch dort ausreichend Kapazität liefern, wo viele Menschen gleichzeitig ihre Geräte nutzen. Die terrestrischen Stationen würden Starlink Mobile damit von einer Ergänzung klassischer Netze zu einem möglichen direkten Konkurrenten machen.
T-Mobile verweist auf den bislang minimalen Netzanteil
T-Mobile reagierte auf die Ankündigung mit einem Verweis auf Aussagen von Vorstandschef Srini Gopalan aus der Bilanzkonferenz zum zweiten Quartal im Juli. Er hatte satellitengestützte Mobilfunkverbindungen als Ergänzung zu herkömmlichen Netzen bezeichnet. Während der am stärksten ausgelasteten Sommermonate hätten sie lediglich 0,0003 Prozent der Netznutzung von T-Mobile ausgemacht.
AT&T und Verizon beantworteten Anfragen nach einer Stellungnahme nicht. Shotwell wollte zudem nicht sagen, wie viel Kapital SpaceX für den Aufbau des geplanten Netzes einplant.
Die Aussagen beziehen sich auf den US-Markt; ein Start eines vergleichbaren Angebots in Deutschland wurde nicht genannt. Für europäische Nutzer ist das Vorhaben dennoch technisch relevant: Sollte sich die Kombination aus Satelliten und dezentralen Bodenstationen bewähren, könnte sie zeigen, wie sich Mobilfunk- und Satellitennetze künftig enger verzahnen lassen. Daraus lässt sich allerdings noch kein konkretes Angebot außerhalb der USA ableiten.
Würden Sie einen Mobilfunktarif von Starlink in Betracht ziehen, wenn Satelliten- und Bodennetz aus einer Hand kämen?






























