Nach einem Krisentreffen in Marokko hat die FIFA-Führung ihren Streit über den gescheiterten Investorendeal zumindest nach außen beigelegt. Präsident Gianni Infantino und Generalsekretär Mattias Grafström räumten in einem am Mittwochabend verschickten Brief Fehler beim geplanten Aufbau der Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) und dem vorgesehenen Verkauf von Anteilen ein. Sie entschuldigten sich und kündigten eine Überprüfung an, deren Ergebnis dem FIFA Council bei seiner nächsten Sitzung vorgelegt werden soll. Zugleich versicherten sich beide gegenseitig ihrer Unterstützung. Das Schreiben an die FIFA-Vizepräsidenten und Council-Mitglieder liegt der Sportschau vor.
- Infantino und Grafström entschuldigen sich gemeinsam für Fehler rund um das aufgegebene FFE-Projekt.
- Ein Bericht über die angekündigte Überprüfung soll dem FIFA Council bei dessen nächster Sitzung präsentiert werden.
- Die FIFA-Führung bekräftigt ihre gegenseitige Unterstützung und warnt zugleich vor Angriffen auf den Verband.
Ein interner Bruch mündet in eine gemeinsame Entschuldigung
Der gemeinsamen Erklärung war Berichten zufolge eine deutliche Distanzierung Grafströms vorausgegangen. In einem internen Schreiben soll der Schwede von einer „traurigen und verwerflichen Abfolge von Ereignissen“ gesprochen haben, die mit dem endgültigen Aus für das FFE-Projekt geendet habe. Infantino wurde darin dem Bericht zufolge nicht namentlich genannt.
Nun stellen sich Präsident und Generalsekretär demonstrativ hintereinander. Grafström und die anwesenden Vorstandsmitglieder erklärten ihre volle Unterstützung für Infantino. In dem Brief wird hervorgehoben, er sei der einzige Amtsträger, der von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gewählt worden sei. Infantino sicherte seinerseits dem Generalsekretär und der Verwaltung Unterstützung zu.
Die gemeinsame Erklärung macht deutlich, dass die FIFA-Spitze den internen Konflikt vorerst nicht durch personelle Konsequenzen, sondern durch Geschlossenheit und eine angekündigte Aufarbeitung lösen will.
Infantino hatte nach Angaben des Berichts bei den Planungen neben dem FIFA Council offenbar auch enge Berater und hochrangige Beschäftigte des Weltverbands nicht einbezogen. Nach externer und interner Kritik war deshalb über einen möglichen Rücktritt des Präsidenten spekuliert worden. Das neue Schreiben enthält dafür jedoch keinen Hinweis.
Der Konflikt berührt die Kontrolle innerhalb der FIFA
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht nicht nur der inzwischen aufgegebene Investorendeal, sondern auch die Frage, wie wichtige Vorhaben innerhalb des Fußball-Weltverbands vorbereitet und kontrolliert werden. Der FIFA Council gehört zur zentralen Führungsstruktur des Verbands; die Einbindung seiner Mitglieder ist daher für Nachvollziehbarkeit und interne Kontrolle von Bedeutung.
Infantino und Grafström räumten ein, dass beim Verfahren rund um FFE und den geplanten Anteilsverkauf Fehler gemacht worden seien. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, beim Council und den Mitgliedsverbänden den Eindruck zu erwecken, sie würden ausgeschlossen. Auch nach dem Bekanntwerden der Pläne durch Presseberichte habe es Fehler gegeben.
Für die FIFA bedeutet die Entschuldigung deshalb mehr als eine interne Befriedung: Die angekündigte Überprüfung muss zeigen, wie Entscheidungen künftig nachvollziehbarer in die bestehenden Verbandsgremien eingebunden werden.
Eine Überprüfung soll dem Council Antworten liefern
„Wir entschuldigen uns aufrichtig für diese Fehler und versprechen, dass sie nicht noch einmal passieren werden“, heißt es in dem Schreiben. Als nächsten Schritt kündigte die Führung eine erforderliche Überprüfung an. Der dazugehörige Bericht soll bei der nächsten Sitzung des FIFA Councils vorgelegt werden.
Gleichzeitig verbindet die FIFA ihre Entschuldigung mit einer Warnung. Da der Investorendeal beendet sei, werde der Verband Angriffe auf seine Integrität, seine Verbandsführung und seine Verfahren nicht weiter hinnehmen. Er wolle erforderliche Maßnahmen ergreifen, um seinen Namen und Ruf zu schützen.
Infantino erklärte zudem auf Instagram, die Ergebnisse des Treffens würden nach seiner Überzeugung die Führungsstrukturen der FIFA stärken und zur Wiederherstellung von Vertrauen beitragen. Ob das gelingt, dürfte davon abhängen, welche Fehler die Überprüfung konkret identifiziert und welche Änderungen daraus folgen.
Reicht die angekündigte Überprüfung aus, oder müsste die FIFA ihre Entscheidungswege grundsätzlich transparenter machen? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























