Die Frasers Group, zu deren Handelsportfolio unter anderem Sports Direct, House of Fraser und Flannels gehören, ist inzwischen der größte Aktionär des deutschen Modekonzerns Hugo Boss. Im Juli erhöhte Frasers seine Beteiligung von 26,06 auf rund 30,28 Prozent. Damit muss die Gruppe nach deutschem Recht ein offizielles Übernahmeangebot abgeben. Vorausgegangen war im Juni ein Vorschlag über insgesamt zwei Milliarden Euro beziehungsweise 38 Euro je Hugo-Boss-Aktie. Das Unternehmen bewertete diese Offerte als finanziell unzureichend und riet seinen Aktionären, sie abzulehnen.
- Frasers steigerte seinen Anteil an Hugo Boss von 26,06 auf rund 30,28 Prozent.
- Die Beteiligung löst nach deutschem Recht die Pflicht zu einem offiziellen Übernahmeangebot aus.
- Das vorgeschlagene Volumen liegt bei zwei Milliarden Euro oder 38 Euro je Aktie.
- Nach Angaben von Frasers gilt das Angebot noch bis zum 27. Juli.
Die höhere Beteiligung löst ein Pflichtangebot aus
Die Schwelle von 30 Prozent hat im deutschen Übernahmerecht eine besondere Bedeutung: Wer sie bei einem börsennotierten Unternehmen überschreitet, gilt grundsätzlich als Kontrollerwerber und muss den übrigen Anteilseignern ein Angebot für ihre Aktien machen. Damit sollen insbesondere Minderheitsaktionäre die Möglichkeit erhalten, ihre Beteiligung zu festgelegten Bedingungen zu verkaufen.
Für Frasers bedeutet der Schritt, dass aus dem Ausbau der Beteiligung nun ein formales Übernahmeverfahren wird.
Ein Pflichtangebot führt allerdings nicht automatisch dazu, dass Frasers sämtliche ausstehenden Aktien erhält. Jeder Hugo-Boss-Aktionär entscheidet selbst, ob er die Offerte annimmt. Der nun erreichte Anteil verschafft Frasers bereits erhebliches Gewicht als größtem Einzelaktionär, ist aber nicht mit dem vollständigen Besitz des Unternehmens gleichzusetzen.
Hugo Boss hält 38 Euro je Aktie für unzureichend
Der Konflikt konzentriert sich damit auf die Bewertung des Modeunternehmens. Frasers hatte im Juni 38 Euro je Aktie vorgeschlagen, was einem Gesamtvolumen von zwei Milliarden Euro entspricht. Hugo Boss wies den Ansatz als finanziell unangemessen zurück und empfahl den eigenen Anteilseignern, nicht zu verkaufen.
Entscheidend ist nun, wie viele Aktionäre der Einschätzung von Hugo Boss folgen und wie viele ihre Aktien zu den von Frasers angebotenen Konditionen abgeben wollen.
Dass Frasers sein Angebot nach der ablehnenden Haltung des Unternehmens bis zum 27. Juli aufrechterhält und zugleich die Beteiligung ausgebaut hat, erhöht die praktische Relevanz der Offerte. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich der Vorstand von Hugo Boss mit der Bewertung einverstanden erklärt hat: Die Position des Unternehmens bleibt nach den vorliegenden Angaben unverändert.
Der Ausgang hängt von den übrigen Aktionären ab
Für Anleger ist die Höhe des gebotenen Preises der zentrale Punkt. Eine Annahme schafft einen festgelegten Verkaufspreis; eine Ablehnung lässt sie am weiteren Kurs und an der Entwicklung von Hugo Boss beteiligt. Welche Variante günstiger ist, hängt von der individuellen Einschätzung des Unternehmenswerts ab.
Für Hugo Boss würde eine breite Annahme des Angebots einen weiter wachsenden Einfluss von Frasers bedeuten. Bleibt die Zustimmung gering, könnte Frasers dennoch größter Aktionär bleiben, ohne dass daraus automatisch eine vollständige Übernahme folgt.
Halten Sie 38 Euro je Hugo-Boss-Aktie für angemessen, oder überzeugt Sie die ablehnende Bewertung des Unternehmens?






























