Die Narkosepraxis eines Schlaganfallzentrums könnte mitbestimmen, wie Patienten nach einer mechanischen Thrombektomie abschneiden. Darauf deutet eine Auswertung von 9.036 Eingriffen hin, die zwischen 2020 und 2025 an 25 Schlaganfallzentren vorgenommen und im Register der Neurovascular Quality Initiative erfasst wurden. Die auf der 23. Jahrestagung der Society of NeuroInterventional Surgery vorgestellten Ergebnisse zeigen Vorteile für eine Sedierung bei erhaltenem Bewusstsein – allerdings nur in Einrichtungen, die diese Methode routinemäßig einsetzen. Entscheidend könnte somit nicht allein die Narkoseart sein, sondern auch die Erfahrung des behandelnden Zentrums.
- Untersucht wurden 9.036 mechanische Thrombektomien aus 25 Schlaganfallzentren.
- Zentren mit überwiegender Sedierung meldeten kürzere Zeiten bis zur Wiedereröffnung des Gefäßes und eine niedrigere Krankenhaussterblichkeit.
- Diese Vorteile zeigten sich nicht, wenn die Sedierung an Zentren mit überwiegender Vollnarkose oder gemischter Praxis eingesetzt wurde.
- Künftige Studien sollen die jeweiligen Narkosemuster der beteiligten Zentren berücksichtigen.
Routine des Zentrums beeinflusst den Zusammenhang
Eine mechanische Thrombektomie dient der Behandlung schwerer Schlaganfälle. Dabei führen Ärzte einen Katheter in das Gefäßsystem ein, um eine blockierte Hirnarterie möglichst rasch wieder zu öffnen. Für den Eingriff kommen üblicherweise eine Vollnarkose oder eine Sedierung infrage, bei der das Bewusstsein erhalten bleibt.
Für die Analyse teilten die Forscher die Einrichtungen nach ihrer üblichen Praxis ein: Drei Zentren setzten überwiegend auf Sedierung, 17 überwiegend auf Vollnarkose, fünf verfolgten einen gemischten Ansatz.
Die Zentren mit vorherrschender Sedierung verzeichneten kürzere Zeitspannen von der Ankunft bis zur Wiedereröffnung des Gefäßes. Zudem erreichten sie häufiger den sogenannten First-Pass-Effekt, also eine erfolgreiche Gefäßöffnung beim ersten Versuch, und meldeten eine geringere Sterblichkeit während des Krankenhausaufenthalts.
Verglichen mit den überwiegend sedierenden Einrichtungen lag die Quote der Intensivstationsaufnahmen in den Vollnarkose-Zentren nahezu viermal so hoch; die mittlere Krankenhausverweildauer war doppelt so lang.
Die Ergebnisse sprechen gegen ein einfaches Pauschalurteil
Die Sedierung war jedoch nicht überall mit besseren Ergebnissen verbunden. In Zentren, die hauptsächlich Vollnarkosen verwendeten oder beide Verfahren gemischt einsetzten, ging sie weder mit einer niedrigeren Sterblichkeit noch mit einer schnelleren Wiederherstellung des Blutflusses einher.
Das bedeutet: Eine Narkosemethode lässt sich möglicherweise nicht unabhängig von den eingespielten Abläufen, Protokollen und Erfahrungen eines Zentrums bewerten.
Studienautor Joshua Feler von Brown University Health sieht darin eine mögliche Erklärung dafür, dass frühere Vergleiche zwischen Vollnarkose und Sedierung zu uneinheitlichen Resultaten kamen. Nach seiner Einschätzung unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung konsistenter Protokolle für die Schlaganfallversorgung.
Die Registerauswertung zeigt allerdings zunächst Zusammenhänge und belegt nicht, dass die Narkosepraxis allein die Unterschiede verursacht hat. Aus den Daten lässt sich deshalb keine pauschale Empfehlung ableiten, sämtliche Thrombektomien unter Sedierung vorzunehmen.
Künftige Studien sollen die Zentrumspraxis einbeziehen
Die Forscher empfehlen, in kommenden klinischen Prüfungen systematisch zu dokumentieren, welche Narkoseverfahren die beteiligten Zentren üblicherweise einsetzen. So ließe sich besser trennen, welchen Anteil die konkrete Methode und welchen Anteil die institutionelle Routine am Ergebnis haben.
Für Schlaganfallzentren im deutschsprachigen Raum wäre das ebenfalls relevant: Sollte sich der Einfluss der Zentrumserfahrung bestätigen, würde ein bloßer Wechsel der Narkoseart nicht automatisch dieselben Resultate versprechen. Ebenso wichtig wären dann abgestimmte Abläufe und eine konsequente Anwendung des gewählten Verfahrens.
Sollten Schlaganfallzentren ihre Narkoseprotokolle stärker vereinheitlichen, oder braucht es mehr Raum für unterschiedliche, gut eingeübte Verfahren? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























