Microsoft gehört unter Vorstandschef Satya Nadella zu den großen Anbietern von Software, Cloud-Diensten und Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Nun hat der US-Konzern mit seinen Ergebnissen für das vierte Geschäftsquartal und das Geschäftsjahr 2026 die Erwartungen der Wall Street übertroffen: Die Microsoft-Aktie sprang am Donnerstag um mehr als 15 Prozent nach oben und verzeichnete damit ihren größten prozentualen Tagesgewinn seit 2008. Zeitweise stieg der Kurs um 17 Prozent auf 456 US-Dollar, nachdem er am Mittwoch noch bei 390,54 US-Dollar geschlossen hatte.
- Microsoft erzielte im Quartal 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und 35,8 Milliarden US-Dollar Nettogewinn.
- Azure überschritt im Geschäftsjahr 2026 erstmals die Umsatzmarke von 100 Milliarden US-Dollar.
- Der Börsenwert erhöhte sich je nach Messzeitpunkt um etwa 450 bis 483 Milliarden US-Dollar.
- Für das nächste Quartal stellte Finanzchefin Amy Hood ein Azure-Wachstum von 45 Prozent in Aussicht.
Die Rally erhöhte Microsofts Börsenwert binnen eines Handelstages um Hunderte Milliarden US-Dollar. Während ein Bericht den Zuwachs mit 450 Milliarden US-Dollar bezifferte, lag das Plus während des zwischenzeitlichen Kurshochs bei etwa 483 Milliarden US-Dollar.
Die Reaktion zeigt, dass Anleger derzeit nicht allein hohe KI-Ausgaben honorieren, sondern vor allem belastbare Hinweise darauf verlangen, dass daraus schneller wachsende Erlöse entstehen.
Auch der Gesamtmarkt profitierte von der Bewegung: Der Dow Jones gewann 1,2 Prozent, der S&P 500 stieg um 1,7 Prozent und der Nasdaq um 2,8 Prozent. Der Branchenindex der Chiphersteller legte um 8,2 Prozent zu.
Azure wächst schneller als von Microsoft angekündigt
Der Quartalsumsatz von Microsoft stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17,7 Prozent beziehungsweise 13,6 Milliarden auf 90 Milliarden US-Dollar. Damit lag er 2,4 Milliarden US-Dollar über der Analystenschätzung von 87,6 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte 4,74 US-Dollar statt der erwarteten 4,24 US-Dollar.
Im Zentrum stand Azure. Über die Cloud-Plattform können Unternehmen unter anderem Rechenleistung, Speicher und KI-Dienste beziehen. Microsoft weist den Azure-Umsatz normalerweise nicht separat aus, sondern ordnet ihn seinem größeren Cloud-Segment zu. Einmal jährlich gibt der Konzern jedoch einen eigenen Erlöswert bekannt: Im Geschäftsjahr 2026 überschritt Azure erstmals 100 Milliarden US-Dollar.
Der William-Blair-Analyst Jason Ader schätzte den Azure-Umsatz des vierten Quartals auf 29,9 Milliarden US-Dollar, nach 20,9 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Das entspräche einem Wachstum von 43 Prozent und läge über Microsofts eigener Prognosespanne von 39 bis 40 Prozent. Für das folgende Quartal stellte Hood 45 Prozent Wachstum in Aussicht; Analysten hatten laut BNP Paribas mit 41 Prozent gerechnet.
Für Microsoft bedeutet das, dass Azure derzeit den wichtigsten Beleg dafür liefert, dass die kostspielige KI-Infrastruktur tatsächlich zusätzliche Nachfrage und Umsatz erzeugt.
OpenAI liefert Milliardenumsatz, bleibt aber ein Risiko
Der Geschäftsbericht zeigt zugleich, wie eng Microsofts Entwicklung mit OpenAI verbunden ist. Das KI-Unternehmen steuerte im Geschäftsjahr 2026 demnach 24,1 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei und schuldete Microsoft zum Bilanzstichtag noch 6 Milliarden US-Dollar aus offenen Forderungen.
Analystenschätzungen zufolge war OpenAI für ungefähr die Hälfte des jährlichen Azure-Umsatzwachstums von 30 Milliarden US-Dollar verantwortlich. BNP-Paribas-Analyst Stefan Slowinski berechnete zugleich, dass die 24,1 Milliarden US-Dollar weniger als ein Viertel des Azure-Umsatzes ausmachten. Das relativiert die Abhängigkeit, beseitigt sie aber nicht: Für Anleger bleibt entscheidend, wie breit Microsoft die Nachfrage nach Azure und seinen Copilot-Produkten auf andere Kunden verteilt.
Stifel zufolge stieg die Zahl der Plätze für Microsoft 365 Copilot innerhalb eines Quartals um 10 Millionen auf 30 Millionen. Erwartet worden war demnach ein Zuwachs um etwa 6 Millionen.
Eine Bilanzänderung lässt Investitionen künftig niedriger erscheinen
Microsoft investiert weiterhin große Summen in Rechenzentren. Im abgelaufenen Quartal beliefen sich die Investitionsausgaben auf 41 Milliarden US-Dollar; für das nächste Quartal stellte Hood mehr als 50 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Der operative Cashflow erreichte 55,4 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig verlängert Microsoft die angenommene Nutzungsdauer seiner Rechenzentrumsgebäude von 15 auf 25 Jahre und ordnet bestimmte künftige Leasingverträge anders ein. Dadurch können die ausgewiesenen Investitionsausgaben sinken: Bei unveränderten Ausgabenplänen von 190 Milliarden US-Dollar könnte die neue Darstellung einen Wert von 175 Milliarden US-Dollar ergeben.
Das heißt allerdings nicht automatisch, dass Microsoft weniger Infrastruktur baut. Für Anleger wird vielmehr wichtiger, tatsächliche Zahlungsströme, Investitionspläne und die bilanziell ausgewiesenen Ausgaben auseinanderzuhalten.
Überzeugt Sie Microsofts Azure-Wachstum trotz der hohen KI-Ausgaben, oder bleibt die Abhängigkeit von OpenAI ein zu großes Risiko?






























