Für den internationalen Arzneimittelmarkt fällt bei Eli Lillys Quartalsbericht vor allem das Geschäft außerhalb der USA ins Gewicht: Der dort erzielte Umsatz stieg im zweiten Quartal um 80 Prozent auf 8,6 Milliarden US-Dollar. Insgesamt meldete der US-Pharmakonzern am Mittwoch Erlöse von 22,97 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn von 8,38 US-Dollar je Aktie. Beide Werte lagen über den von LSEG erfassten Analystenerwartungen. Getragen wurde das Wachstum erneut von Mounjaro zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und dem Adipositasmedikament Zepbound. Lilly erhöhte daraufhin seine Umsatzprognose für 2026.
- Der Quartalsumsatz stieg auf 22,97 Milliarden US-Dollar und übertraf die erwarteten 20,73 Milliarden US-Dollar.
- Mounjaro erzielte weltweit 9,94 Milliarden US-Dollar Umsatz, 91 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Für 2026 erwartet Lilly nun Erlöse zwischen 85 und 87 Milliarden US-Dollar.
- Die Lilly-Aktie legte am Mittwoch vorbörslich um mehr als fünf Prozent zu.
Das Auslandsgeschäft wächst schneller als der US-Umsatz
In den USA stiegen die Erlöse um 33 Prozent auf 14,4 Milliarden US-Dollar. Lilly verkaufte dort 37 Prozent mehr Einheiten beziehungsweise Verschreibungen, vor allem von Mounjaro und Zepbound. Niedrigere realisierte Preise bremsten den Umsatzanstieg jedoch teilweise.
Außerhalb des Heimatmarkts nahm das Volumen um 113 Prozent zu, während die realisierten Preise um 36 Prozent sanken. Nach Unternehmensangaben hing der Preisrückgang vor allem damit zusammen, dass Mounjaro zur Behandlung von Typ-2-Diabetes in Chinas staatliche Krankenversicherung aufgenommen wurde.
Damit zeigt das Quartal, dass Lillys Wachstum bei GLP-1-Medikamenten nicht mehr allein vom US-Markt getragen wird.
Eine eigene Umsatzangabe für Deutschland enthält der Bericht nicht. Für deutsche Anleger und den hiesigen Pharmamarkt ist die internationale Entwicklung dennoch relevant: Wenn steigende Absatzmengen sinkende Preise überkompensieren, kann Lilly seine Erlösbasis verbreitern, auch ohne in jedem Markt höhere Preise durchzusetzen. Das ist eine Einordnung der Zahlen, keine Prognose für Deutschland.
Mounjaro übertrifft die Erwartungen der Analysten
Der weltweite Umsatz mit Mounjaro erhöhte sich um 91 Prozent auf 9,94 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 4,8 Milliarden US-Dollar auf die USA. Von StreetAccount erfasste Analysten hatten weltweit mit 8,99 Milliarden und in den USA mit 4,44 Milliarden US-Dollar gerechnet. Außerhalb der USA legten die Mounjaro-Erlöse um 172 Prozent zu.
Zepbound erwirtschaftete in den USA 4,93 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Markterwartung hatte bei 4,69 Milliarden US-Dollar gelegen. Auch hier traf eine höhere Nachfrage auf niedrigere realisierte Preise, unter anderem wegen bereits angekündigter Rabatte für Selbstzahler.
GLP-1-Präparate wirken über Signalwege von Hormonen, die unter anderem an der Regulierung von Blutzucker und Appetit beteiligt sind. Je nach Wirkstoff und Zulassung werden Medikamente dieser Klasse gegen Typ-2-Diabetes oder Adipositas eingesetzt. Die beiden Anwendungsgebiete erklären, weshalb die Absatzzahlen für Pharmaunternehmen wirtschaftlich besonders bedeutsam sind; aus den Quartalsdaten lassen sich allerdings keine Aussagen über den individuellen medizinischen Nutzen ableiten.
Die neue Abnehmpille startet knapp unter der Prognose
Erstmals enthielt Lillys Quartalsbericht auch Umsätze mit Foundayo. Die im April in den USA zugelassene GLP-1-Pille gegen Adipositas brachte 98 Millionen US-Dollar ein. Die von FactSet erfassten Schätzungen hatten bei knapp 103 Millionen US-Dollar gelegen.
Das oral einzunehmende Mittel konkurriert mit einem Produkt von Novo Nordisk, das einige Monate früher auf den Markt kam. Damit erweitert sich der Wettbewerb zwischen den beiden Unternehmen über die bereits etablierten Präparate hinaus auf GLP-1-Tabletten.
Lilly hebt den Umsatzkorridor für 2026 an
Für das Gesamtjahr rechnet Eli Lilly nun mit 85 bis 87 Milliarden US-Dollar Umsatz. Zuvor hatte die Spanne bei 82 bis 85 Milliarden US-Dollar gelegen. Beim bereinigten Gewinn erwartet das Unternehmen 35,50 bis 36,50 US-Dollar je Aktie; die bisherige Prognose hatte von 35,50 bis 37 US-Dollar gereicht.
Nach Angaben von Lilly wurde die zugrunde liegende Gewinnprognose in der Mitte der Spanne um 2,78 US-Dollar je Aktie angehoben. Dem stehen Belastungen von 3,03 US-Dollar je Aktie aus Transaktionen des Quartals gegenüber.
Unter dem Strich verdiente Lilly 7,10 Milliarden US-Dollar oder 7,94 US-Dollar je Aktie, verglichen mit 5,66 Milliarden beziehungsweise 6,29 US-Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum. Ohne Sondereffekte lag der Gewinn bei 8,38 US-Dollar je Aktie; Analysten hatten 6,01 US-Dollar erwartet.
Für Lilly bedeutet die neue Prognose, dass der Konzern trotz niedrigerer realisierter Medikamentenpreise mit weiter steigenden Gesamterlösen rechnet.
Wie bewerten Sie Lillys Strategie, niedrigere Preise durch deutlich höhere Absatzmengen auszugleichen?






























