Für den europäischen und deutschen Fußball könnte der FIFA-Investorenplan weitreichende Folgen haben: Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände wollen künftige FIFA-Wettbewerbe boykottieren, falls der Weltverband das Vorhaben umsetzt; auch der DFB äußerte Widerstand gegen die Pläne. Inmitten dieses Widerstands ist am Freitag Carlos Cordeiro, ein ranghoher Berater von FIFA-Präsident Gianni Infantino, mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der frühere Präsident des US-Fußballverbands bezeichnete den geplanten Verkauf einer Beteiligung an einer neuen Vermarktungsgesellschaft als „schlechtes Geschäft“ für die Mitgliedsverbände, den Fußball und dessen langfristige Zukunft.
- Carlos Cordeiro ist aus Protest gegen den FIFA-Investorenplan zurückgetreten.
- Die neue Gesellschaft FIFA Forward Enterprise soll zentrale kommerzielle Rechte des Weltverbands verwalten.
- UEFA, CONCACAF und AFC haben sich gegen das Vorhaben positioniert.
- Die 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen bis zum 19. September über den Vorschlag entscheiden.
Ein UEFA-Boykott würde auch deutsche Teams treffen
Die UEFA hat ihre Ablehnung mit einer erheblichen Drohung verbunden: Ihre Mitgliedsverbände stimmten einstimmig dafür, künftige FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, sollte der Plan verwirklicht werden. Genannt wurde dabei unter anderem die Männer-Weltmeisterschaft 2030; ein Boykott könnte jedoch schon früher beginnen.
Für den DFB und deutsche Nationalmannschaften würde eine Umsetzung der UEFA-Drohung bedeuten, dass ihre Teilnahme an FIFA-Turnieren grundsätzlich infrage stünde.
Das ist zunächst eine mögliche Konsequenz und noch kein beschlossener Ausschluss. Kontinentalverbände wie die UEFA koordinieren ihre nationalen Mitglieder, bei der FIFA bilden jedoch die einzelnen Verbände die entscheidende Ebene. Deshalb bedeutet die gemeinsame Haltung der Kontinentalorganisationen nicht automatisch, dass jedes Mitglied bei einer Abstimmung genauso votiert.
Allerdings haben sich neben der UEFA auch die nord- und mittelamerikanische sowie karibische CONCACAF und der asiatische Verband AFC gegen das Projekt gestellt. Zusammen repräsentieren diese Organisationen auf dem Papier eine Mehrheit der 211 FIFA-Mitglieder. Damit ist Infantinos Spielraum deutlich eingeschränkt, selbst wenn einzelne nationale Verbände von der jeweiligen Kontinentallinie abweichen könnten.
Cordeiro bestreitet jede Beteiligung an dem Vorschlag
Cordeiro erklärte, er sei an der Ausarbeitung des Plans „in keiner Weise beteiligt“ gewesen und lehne ihn entschieden ab. Der frühere Investmentbanker arbeitet seit 2021 für die FIFA und vertrat den Weltverband zuletzt in der Taskforce des Weißen Hauses für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
In seiner Rücktrittserklärung stellte er vor allem die wirtschaftliche Begründung infrage. Die FIFA verfüge über Milliardenreserven, habe keine Schulden und erwarte nach Angaben Infantinos für den Zyklus von 2022 bis 2026 Einnahmen von 15 Milliarden US-Dollar. Vor diesem Hintergrund sei es nicht überzeugend, durch den dauerhaften Verkauf eines Anteils 4,2 Milliarden US-Dollar einnehmen zu wollen.
Cordeiros Rückzug verschärft den Konflikt, weil die Kritik nun nicht mehr nur von Verbänden, sondern auch aus Infantinos bisherigem Beraterumfeld kommt.
Private Investoren sollen an FIFA-Rechten beteiligt werden
Kern des Vorhabens ist die Gesellschaft FIFA Forward Enterprise. Sie soll kommerzielle Rechte an FIFA-Wettbewerben verwalten, darunter Übertragungen, Sponsoring, Eintrittskarten und Lizenzen. Die FIFA bewertet das Unternehmen mit rund 20 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 17,5 Milliarden Euro. An externe Investoren soll eine nicht kontrollierende Minderheitsbeteiligung von bis zu 20 Prozent gehen; damit sollen 4,2 Milliarden US-Dollar eingeworben werden, umgerechnet grob 3,7 Milliarden Euro.
Als führender Geldgeber des erwarteten Konsortiums gilt der Fonds Thrive Eternal. Er wird von Thrive Capital geführt, das Joshua Kushner gegründet hat, der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
Eine Minderheitsbeteiligung würde zwar bedeuten, dass die FIFA formal die Kontrolle über die Gesellschaft behält. Wirtschaftlich würden private Investoren jedoch dauerhaft an Erlösen aus zentralen Vermarktungsrechten beteiligt. Genau darin liegt die grundsätzliche Tragweite des Plans: Es geht nicht nur um eine einmalige Finanzierung, sondern um den künftigen Umgang mit Einnahmen aus Wettbewerben wie der Weltmeisterschaft.
Die FIFA hält am Konsultationsverfahren fest
Der Weltverband weist die Darstellung zurück, der Fußball selbst werde verkauft. „Niemand verkauft den Fußball“, erklärte die FIFA und kritisierte aus ihrer Sicht fehlerhafte Medienberichte, die das geplante Konsultationsverfahren gestört hätten. Zugleich kündigte sie an, den Vorschlag weiterhin den 211 nationalen Mitgliedsverbänden vorzulegen. Diese sollen sich bis zum 19. September entscheiden.
Damit bleibt der FIFA-Investorenplan vorerst auf der Tagesordnung. Ob er angesichts der geschlossenen Ablehnung mehrerer Kontinentalverbände noch ausreichend Unterstützung finden kann, hängt letztlich vom Abstimmungsverhalten der einzelnen nationalen Verbände ab.
Sollte die FIFA private Investoren dauerhaft an ihren Vermarktungsrechten beteiligen dürfen – oder gehören diese Einnahmen vollständig unter die Kontrolle der Mitgliedsverbände? Teilen Sie uns Ihre Einschätzung mit.






























