Der frühere Fußballprofi Lothar Matthäus hat Fifa-Präsident Gianni Infantino wegen dessen Investorenplänen scharf angegriffen. In seiner Kolumne für den TV-Sender Sky bezeichnete er die Idee als unsinnig und den Zeitpunkt als denkbar schlecht. Infantino hatte durch den Verkauf eines Teils der kommerziellen Rechte des Weltverbands, etwa an der Fußball-WM, eine Milliardensumme einnehmen wollen. Nach massivem Widerstand nahm er das Vorhaben zurück. Zugleich droht die Uefa laut Medienberichten mit rechtlichen Schritten, während Wales und Serbien Infantino ihre Unterstützung für eine weitere Amtszeit entzogen haben.
- Infantino zog seine Pläne zum teilweisen Verkauf kommerzieller Fifa-Rechte nach massivem Widerstand zurück.
- Die Uefa forderte ihn laut „Telegraph“ und „Financial Times“ auf, Material zu dem Vorhaben nicht zu vernichten.
- Die Verbände von Wales und Serbien unterstützen Infantinos geplante Wiederwahl nicht mehr.
Der gescheiterte Rechteverkauf löst grundsätzliche Kritik aus
Matthäus wirft dem Fifa-Präsidenten nicht nur eine problematische Idee, sondern auch mangelndes Urteilsvermögen vor. Infantino habe für das Vorhaben „einen der falschesten Zeitpunkte ever gewählt“, schrieb der Ex-Profi. Zugleich gebe es für ihn „kaum etwas Unsinnigeres als diese Idee“.
Die kommerziellen Rechte an Wettbewerben bilden eine zentrale Grundlage dafür, wie ein Fußballverband Einnahmen erzielt. Ein Verkauf von Anteilen an Investoren kann – abhängig von der konkreten Ausgestaltung – langfristige wirtschaftliche Bindungen schaffen. Deshalb betrifft eine solche Entscheidung nicht allein die Finanzierung, sondern ebenso die Kontrolle über künftige Erlöse und die verantwortungsvolle Führung eines Verbands.
Dass Infantino das Vorhaben zurückgezogen hat, beendet daher nicht automatisch die Debatte darüber, wie die Entscheidung vorbereitet und kommuniziert wurde.
Matthäus räumte ein, der Fifa-Chef habe in der Vergangenheit auch „einiges richtig gemacht“. Es sei während seiner Amtszeit nicht alles falsch gewesen, „auch wenn es bei ihm immer ums Geld geht“. Nun habe Infantino es jedoch „übertrieben“ und sei entweder schlecht oder gar nicht beraten worden.
Die Uefa hält rechtliche Schritte weiterhin offen
Der Konflikt könnte über die sportpolitische Kritik hinausreichen. Nach Berichten des „Telegraph“ und der „Financial Times“ forderte die Europäische Fußball-Union Infantino auf, sämtliche Unterlagen zu dem zurückgezogenen Investorenvorhaben aufzubewahren. Außerdem drohte sie dem Fifa-Präsidenten demnach mit rechtlichen Schritten.
Eine solche Aufforderung bedeutet noch nicht, dass ein Verfahren eingeleitet wurde oder ein Fehlverhalten feststeht. Sie zeigt aber, dass die Aufarbeitung des Projekts aus Sicht der Uefa auch nach dessen Rücknahme nicht abgeschlossen ist. Für Infantino bedeutet das, dass neben der politischen Unterstützung durch die Verbände nun auch der Umgang mit den vorhandenen Dokumenten wichtig bleibt.
Der Widerstand erreicht Infantinos geplante Wiederwahl
Nach bisherigen Plänen wollte sich Infantino am 18. März 2027 ein letztes Mal für weitere vier Jahre zum Fifa-Präsidenten wählen lassen. Wales entzog ihm als erster Nationalverband öffentlich die Unterstützung. Der walisische Verband FAW begründete dies unter anderem mit Defiziten bei Verbandsführung, Entscheidungsprozessen, Kommunikation und Urteilsvermögen.
Auch der serbische Verband zog eine zuvor zugesagte Unterstützung zurück. In einem Schreiben erklärte er, Infantino am 25. Mai seine Unterstützung schriftlich zugesichert zu haben, diese Entscheidung nun aber zu revidieren. England arbeitete Medienberichten zufolge ebenfalls an einem entsprechenden Brief an die Fifa-Spitze.
Der Entzug einzelner Unterstützungszusagen entscheidet die Wahl nicht, ist aber ein politisches Signal: Der Widerstand gegen die Investorenpläne berührt inzwischen Infantinos persönliche Zukunft an der Fifa-Spitze.
Der Fifa-Präsident wird von den Mitgliedsverbänden des Weltverbands gewählt. Für eine weitere Amtszeit kommt es deshalb darauf an, ob sich die Kritik auf zusätzliche Verbände ausweitet oder begrenzt bleibt. Matthäus erwartet jedenfalls, dass Infantino nun „seine Quittung“ bekommen könnte – und damit das, was sich viele seiner Gegner gewünscht hätten.
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