Zwei Schweizer prägen erneut die Debatte über die Führung des Fußball-Weltverbands: Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter hat Norwegens Verbandschefin Lise Klaveness als mögliche Nachfolgerin seines Landsmanns Gianni Infantino ins Spiel gebracht. Blatter äußerte sich, nachdem Infantino den geplanten Verkauf von WM-Rechten an private Investoren wegen massiven Widerstands von Verbänden und Öffentlichkeit aufgegeben hatte. Auf X erklärte der 90-Jährige, Klaveness verdiene großen Respekt und habe stets klar Stellung bezogen. Bei der FIFA sei die Zeit reif, dass eine Frau die Führung übernehme.
- Joseph Blatter unterstützt Lise Klaveness als mögliche Nachfolgerin von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
- Infantino gab ein milliardenschweres Vorhaben zum Verkauf von WM-Rechten an private Investoren auf.
- Infantino will am 18. März kommenden Jahres für eine dritte und letzte vierjährige Amtszeit kandidieren.
- Auch Arsène Wenger und FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström gingen auf Distanz zu dem Projekt.
Klaveness steht für einen kritischen Kurs im Weltfußball
Blatter begründete seinen Vorstoß mit der eigenständigen Haltung der Norwegerin. „Lise Klaveness verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat“, schrieb er. Klaveness gilt als kritische Stimme im internationalen Fußball und setzt sich unter anderem für Frauenrechte ein.
Blatters Unterstützung ist noch keine Kandidatur: Bewerber für das FIFA-Präsidentenamt müssen ihre Unterlagen bis zum 18. November einreichen.
Infantino plant bislang, sich am 18. März kommenden Jahres in Rabat in Marokko für eine dritte und letzte Amtszeit von vier Jahren wählen zu lassen. Blatters Wortmeldung ist daher vor allem eine politische Positionierung in der beginnenden Personaldebatte. Sollte Klaveness tatsächlich antreten, würde dies bedeuten, dass die Kritik am bisherigen Kurs der FIFA auch in der Präsidentenwahl personell sichtbar würde.
Für den deutschsprachigen Raum hat die Auseinandersetzung eine besondere Schweizer Dimension: Blatter führte die FIFA, bevor ihn Anfang 2016 sein Landsmann Infantino ablöste. Blatter hatte im Mai 2015 im Zuge des Korruptionsskandals seinen Rücktritt angekündigt und kritisiert seinen Nachfolger seitdem scharf.
Der gescheiterte Investorendeal belastet Infantino
Auslöser der aktuellen Kritik ist Infantinos Plan, WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen. Das milliardenschwere Vorhaben wurde von Gegnern als Ausverkauf des Fußballs bezeichnet. Nach dem Widerstand von Verbänden und Öffentlichkeit ließ der FIFA-Präsident das Projekt fallen.
Die FIFA organisiert den internationalen Verbandsfußball und vergibt zentrale Wettbewerbe sowie die damit verbundenen kommerziellen Rechte. Entscheidungen über deren langfristige Verwertung betreffen deshalb nicht nur die Organisation selbst. Sie können auch für nationale Verbände, Medienpartner und Fußballfans relevant sein, weil sie beeinflussen könnten, wie zentrale Rechte künftig kontrolliert und vermarktet werden.
Dass sich nun auch führende FIFA-Funktionäre vom Vorgehen distanzieren, verschärft die politische Belastung für Infantino innerhalb des Weltverbands.
Wenger erfuhr nach eigenen Angaben aus den Medien davon
Arsène Wenger, bei der FIFA Direktor für die globale Fußball-Entwicklung, bezeichnete das Ende des Investorendeals als „absolut notwendig“. Er sei an dem strategischen Plan nicht beteiligt gewesen und habe erst durch Medienberichte von dem Projekt erfahren, sagte der frühere Startrainer.
Wengers Stellungnahme folgte, nachdem sein Name in einem Schreiben der Anwälte der Europäischen Fußball-Union an Infantino aufgetaucht war. Darin forderte die UEFA die FIFA auf, Daten und Kommunikation von 18 Führungskräften als potenzielle Beweismittel zu sichern. Diese Aufforderung belegt für sich genommen kein Fehlverhalten der genannten Personen, macht aber deutlich, dass die Entscheidungswege rund um das Vorhaben dokumentiert werden sollen.
Grafström stellt die Institution über einzelne Personen
Auch FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström äußerte sich in einer internen Nachricht kritisch. Infantino wurde darin nicht namentlich genannt, Grafström verwies jedoch direkt auf die geplante Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise. Er sprach von einer „traurigen und verwerflichen Abfolge von Ereignissen“, die glücklicherweise mit der endgültigen Aufgabe des FFE-Projekts geendet habe.
In der unter anderem von „The Athletic“ und Sky Sports zitierten Mail betonte Grafström, einzelne Personen und unglückliche Vorfälle kämen und gingen, während Institution, Auftrag und Verantwortung gegenüber dem Weltfußball fortbestünden. Damit richtet sich der Blick über den gescheiterten Deal hinaus auf die Frage, wer die FIFA künftig führen und wie deren Entscheidungen kontrolliert werden sollen.
Wäre Lise Klaveness aus Ihrer Sicht die richtige Kandidatin für die FIFA-Spitze, oder braucht der Weltverband einen anderen Kurs?






























