An den Küsten des Mittelmeers setzen fünf neue beziehungsweise erneuerte Designhotels auf eine deutlich lokale Handschrift. Auf Malta, an der französischen Riviera, auf Paros und Menorca sowie in den Hügeln von Florenz dienen historische Gebäude, regionale Materialien und traditionelles Handwerk als Ausgangspunkt. Zu den Projekten gehören ein Palazzo mit 17 Zimmern, eine autofreie Privatinsel und ein ehemaliges Kloster. Während Casa Bonavita und Zannier Île de Bendor im Mai eröffneten, kehrte die Villa San Michele nach einer 18-monatigen Renovierung im April zurück. Gemeinsam ist den Häusern die Abkehr vom austauschbaren Küstenlook.
- Casa Bonavita auf Malta befindet sich in einem Palazzo aus dem 18. Jahrhundert und verfügt über 17 Zimmer.
- Zannier Île de Bendor erstreckt sich über eine 17 Acres große Privatinsel, was rund 6,9 Hektar entspricht.
- Die Villa San Michele bei Florenz wurde 18 Monate lang renoviert und im April wiedereröffnet.
Historische Gebäude prägen die neuen Hotelkonzepte
Casa Bonavita geht auf Christopher und Suzanne Sharp zurück, die Gründer von The Rug Company. Suzanne Sharp wurde auf Malta geboren; das Paar kaufte den Palazzo aus dem 18. Jahrhundert im Jahr 2010. In den Räumen treffen handbemalte Keramik des nahe gelegenen Studios Villa Bologna, sizilianische Marmortische und Leuchten aus Murano-Glas aufeinander. Über Jahre bei lokalen Kunsthandwerkern und in Familienhäusern gesammelte, bestickte maltesische Textilien werden im gesamten Haus eingesetzt.
An der Côte d’Azur hat Zannier im Mai die Île de Bendor eröffnet. Die der für Pastis bekannten Familie Ricard gehörende Insel ist als autofreies Feriendorf angelegt und per Fähre mit dem Festland verbunden. Ehemalige zweistöckige Fischerhäuser wurden von den Pariser Büros Hardel Le Bihan Architectes und Niez Studio Paysagistes in Villen umgewandelt.
Auch Vestige Binidufà auf Menorca nutzt einen historischen Bestand. Das Haus mit elf Zimmern ist das Schwesterhotel von Son Ermità; beide befinden sich in Fincas aus dem 18. Jahrhundert auf einem Gelände von knapp 2.000 Acres, also rund 800 Hektar. Roter Stein und gekalkte Wände werden mit Trockenblumen des Inselstudios De Marés sowie Skulpturen und antiken Möbeln der Gründerfamilie Madera-Fernandez kombiniert. Restaurierte spanische Türen aus dem 18. Jahrhundert wurden in maßgefertigte Einrichtungen integriert, die menorquinische Handwerker umsetzten.
Die historischen Gebäude dienen hier nicht bloß als Kulisse: Ihre Materialien und früheren Funktionen bestimmen, wie die Hotels gestaltet und genutzt werden.
Werkstätten machen Handwerk zum Teil des Aufenthalts
Auf der Île de Bendor finden dreimal pro Woche Workshops in einem umgebauten Lagerhaus statt. Zusammen mit dem Dufthaus Franc 1884 können Gäste dort unter anderem duftende, handgeflochtene Lavendelspindeln herstellen.
Ein ähnliches Prinzip verfolgt Luura an der Westküste von Paros. Das nur Erwachsenen vorbehaltene Haus besteht ausschließlich aus Suiten und verbindet lokale Handwerkstraditionen mit griechischer und internationaler Kunst. In wechselnden Kursen leitet derzeit Maria Economides einen Keramikworkshop, dessen selbst gefertigte Stücke die Teilnehmer mitnehmen können. Der hoteleigene Laden verkauft außerdem Arbeiten von Economides und anderen Kunstschaffenden, darunter Zein Daouk aus Beirut.
In der Villa San Michele wiederum übersetzt Luigi Fragola Architects toskanische Traditionen in die renovierten 39 Zimmer. Die Badezimmer sind mit grün geädertem Cipollino-Marmor aus Carrara ausgestattet. Für farbige Couchtische des Ateliers Bianco Bianchi kommt Scagliola zum Einsatz, eine in der Toskana des 17. Jahrhunderts verbreitete Stucktechnik. Am Eingang des Guerlain-Spas befindet sich zudem ein Landschaftsfresko der Mailänder Künstlerin Elena Carozzi.
Für Reisende bedeutet dieser Ansatz, dass sich die Wahl eines Designhotels nicht mehr nur an Lage und Ausstattung festmacht, sondern auch daran, wie glaubwürdig ein Haus mit regionaler Bau- und Handwerkstradition umgeht.
Luura plant weitere Häuser in Athen und auf Paros
Von den vorgestellten Projekten nennt Luura bereits konkrete Expansionsziele: Auf das Debüt an der Westküste von Paros sollen ein Standort in Athen und ein weiteres Haus auf Paros folgen. Das würde die ortsbezogene Gestaltung der Marke in einen städtischen und einen weiteren insularen Kontext übertragen.
Bei den übrigen Hotels dürfte sich nun in der Praxis zeigen, ob Workshops, lokale Auftragsarbeiten und restaurierte Bauteile dauerhaft Teil des Gästeerlebnisses bleiben. Gerade darin liegt die Bedeutung der Konzepte: Handwerk wird nicht nur ausgestellt, sondern in Einrichtung, Verkauf und Aktivitäten eingebunden.
Welches Konzept überzeugt Sie mehr: der restaurierte Palazzo, die autofreie Privatinsel oder ein Hotel mit eigenen Handwerkskursen?






























