Walmart ist ein US-Einzelhandelskonzern, dessen Geschäfte und Website nach Unternehmensangaben jede Woche mehr als 150 Millionen Kunden erreichen. Wegen dieser breiten Kundschaft gelten seine Zahlen als wichtiger Hinweis auf die Konsumlage in den Vereinigten Staaten. Der jüngste Quartalsbericht vom Donnerstag fällt nun schwächer aus als erwartet: Die vergleichbaren US-Verkäufe stiegen im zweiten Quartal nur um 2,6 Prozent und damit so langsam wie seit sechs Jahren nicht mehr. Analysten hatten 3,8 Prozent erwartet. Walmart verwies vor allem auf hohe Benzinpreise; zusätzlich belastete das Apothekengeschäft die Kennzahl.
- Die vergleichbaren US-Verkäufe von Walmart legten im zweiten Quartal um 2,6 Prozent zu.
- Im vorangegangenen Quartal hatte das Wachstum noch 4,1 Prozent betragen.
- Der US-Onlineumsatz stieg um 24 Prozent.
- Walmart erhöhte seine Prognose für das jährliche Umsatzwachstum auf 4 bis 5 Prozent.
Hohe Spritpreise verändern die Ausgaben der Kunden
Die Kennzahl der vergleichbaren Verkäufe umfasst Filialen, die seit mindestens einem Jahr geöffnet sind, sowie die diesen Standorten zugerechneten Onlineumsätze. Sie soll zeigen, wie sich das bestehende Geschäft entwickelt, ohne dass neu eröffnete oder geschlossene Läden das Bild verzerren.
Finanzvorstand John David Rainey erklärte, Benzinpreise von mehr als 4 US-Dollar je Gallone könnten eine psychologische Wirkung entfalten und Verbraucher zu Abwägungen bei ihren Ausgaben bewegen. Am Donnerstag kostete eine Gallone mit 3,78 Litern im US-Durchschnitt 4,10 US-Dollar, nach 4,07 US-Dollar eine Woche zuvor. Zum Zeitpunkt der ersten Angriffe der USA und Israels auf Iran waren es 2,98 US-Dollar gewesen.
Auch andere Daten deuten auf Druck auf die Haushaltsbudgets hin. Die US-Verbraucherpreise stiegen zuletzt gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent und binnen Jahresfrist um 3,4 Prozent. Die Einzelhandelsumsätze gingen im Juli um 0,6 Prozent zurück.
Für die Einschätzung der US-Konjunktur bedeutet Walmarts Bericht, dass selbst ein Händler mit sehr breiter Kundschaft die Zurückhaltung bei alltäglichen Ausgaben zu spüren bekommt.
Das Apothekengeschäft drückt die Vergleichszahl
Nicht allein das Konsumverhalten bremste Walmart. Im Apothekenbereich wirkten sich nach Angaben des Unternehmens bundesrechtliche Vorgaben aus, nach denen bestimmte teure Medikamente für Medicare-Versicherte zu gedeckelten Preisen abgegeben werden müssen. Ohne den Gesundheits- und Wellnessbereich hätten die vergleichbaren US-Verkäufe um 3,4 Prozent zugelegt. Auch dieser Wert wäre unter der Analystenerwartung von 3,8 Prozent geblieben.
Die Kunden gaben an der Kasse im Durchschnitt 1,1 Prozent mehr aus als im vorangegangenen Quartal. Zugleich verlangsamte sich die Entwicklung der Ladenbesuche: Die Kundenfrequenz nahm um 1,5 Prozent zu, nachdem es zuvor 3 Prozent gewesen waren.
Das Onlinegeschäft wächst, ersetzt die Filialen aber nicht
Deutlich stärker entwickelte sich der US-Onlinehandel von Walmart mit einem Plus von 24 Prozent. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch 26 Prozent erreicht. Für den Konzern bleiben die Verkäufe in den Filialen dennoch das Kerngeschäft, weshalb die schwächere Kundenfrequenz für die weitere Entwicklung entscheidend bleibt.
Walmart hob seine Prognose für das Umsatzwachstum im Gesamtjahr von zuvor 3,5 bis 4,5 Prozent auf 4 bis 5 Prozent an. Beim Gewinn je Aktie erwartet der Konzern 2,80 bis 2,87 US-Dollar; Analysten hatten mit 2,90 US-Dollar gerechnet. Für das dritte Quartal liegen auch die Umsatz- und Gewinnerwartungen des Unternehmens unter den Prognosen der Fachleute.
Entlastung sollen Preissenkungen bei 11.000 Artikeln bringen. Die Änderungen traten im Juli in Kraft, weshalb ihre Wirkung nach Einschätzung des Unternehmens eher im nächsten Quartalsbericht sichtbar werden dürfte.
Walmart-Zahlen belasten auch die Wall Street
Die Walmart-Aktie verlor vor Handelsbeginn 6 Prozent. Zum Börsenschluss gab der Dow Jones um 1,3 Prozent nach, der Nasdaq sank um 1,0 Prozent und der S&P 500 um 0,9 Prozent. Neben dem Einzelhandelsbericht belasteten steigende Anleiherenditen und ein Ölpreis von mehr als 87 US-Dollar je Barrel für die US-Sorte WTI die Märkte. Auch Aktien anderer Händler gerieten unter Druck.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung relevant, weil Walmart als Gradmesser für den US-Konsum gilt und eine schwächere Nachfrage damit über die einzelne Aktie hinaus Signale für internationale Aktienmärkte liefern kann.
Wie aussagekräftig sind Walmarts Zahlen für die US-Konjunktur – und können Preissenkungen die Kaufzurückhaltung ausgleichen? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























