Der frühere US-Regierungsberater Anthony Fauci hat sich bei einer Anhörung im Senat auf sein Recht berufen, sich nicht selbst belasten zu müssen. Der republikanische Ausschussvorsitzende Rand Paul hatte den Immunologen vorgeladen und konfrontierte ihn mit persönlichen Tagebucheinträgen aus den Jahren der Corona-Pandemie. Im Mittelpunkt standen der weiterhin ungeklärte Corona-Ursprung sowie die Frage, ob vom US-Gesundheitsinstitut NIH finanzierte Forschung in China dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Fauci weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
- Fauci machte vor dem Senatsausschuss für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten von seinem Schweigerecht Gebrauch.
- Rand Paul veröffentlichte zuvor mehr als tausend Seiten aus Faucis persönlichen Tagebüchern.
- Die Einträge zeigen, dass Fauci zu Beginn der Pandemie unterschiedliche Ursprungsszenarien erwog.
- Ein eindeutiger Nachweis für einen natürlichen Ursprung oder einen Laborunfall liegt weiterhin nicht vor.
Die Tagebücher dokumentieren Faucis frühe Unsicherheit
Paul wirft Fauci seit Jahren vor, gegenüber der Öffentlichkeit anders über den Ursprung des Coronavirus gesprochen zu haben als im privaten Austausch. Nach Auffassung des Senators habe Fauci die Theorie einer natürlichen Übertragung gefördert, um einen möglichen Zusammenhang mit einem Labor in Wuhan zu verdecken.
In einem von Paul veröffentlichten Eintrag vom Januar 2020 hielt Fauci fest, der chinesische Markt sei nicht der Ursprung, sondern ein Verstärker des Ausbruchs gewesen. Im Mai 2021 schrieb er, ein Übersprung von einem Tier auf den Menschen sei sehr wahrscheinlich. Zugleich betonte er, niemand – auch er selbst nicht – könne sich beim Ursprung vollkommen sicher sein, und forderte eine gründliche Untersuchung.
Die zitierten Einträge belegen damit vor allem, dass Fauci ein Laborleck nicht grundsätzlich ausschloss; sie liefern für sich genommen jedoch keinen Nachweis dafür, wie die Pandemie tatsächlich begann.
Einige der jetzt veröffentlichten Überlegungen waren bereits aus Faucis 2024 erschienenen Memoiren und aus früheren Interviews bekannt. Der demokratische Senator Richard Blumenthal kritisierte das Vorgehen des Ausschusses als Versuch, Fauci strafrechtliches Fehlverhalten anzulasten. Faucis Anwälte bezeichneten Pauls Anschuldigungen bereits zuvor als unbegründet.
Umstrittene Forschungsgelder stehen im Zentrum der Befragung
Ein wesentlicher Teil des Streits betrifft Forschung, die über das NIH finanziert wurde. Das Institut vergab Fördermittel an die New Yorker Organisation EcoHealth Alliance, die einen Teil davon für die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Labor nutzte. Dort wurden Coronaviren untersucht, die häufig in Fledermäusen vorkommen.
Republikaner werfen Fauci vor, nicht wahrheitsgemäß über sogenannte Gain-of-Function-Forschung informiert zu haben. Der Begriff kann allgemein Veränderungen an Viren zu Forschungszwecken bezeichnen, wird aber auch enger für besonders riskante Versuche verwendet, bei denen mögliche Pandemieerreger leichter übertragbar oder gefährlicher gemacht werden. Fauci hatte erklärt, er verwende diese engere Definition. Zudem sagte er früher, es sei molekular unmöglich, dass die untersuchten Fledermausviren zum Pandemievirus geworden seien.
Für die Bewertung der Vorwürfe ist diese begriffliche Trennung entscheidend: Ob Forschung als „Gain of Function“ gilt, hängt davon ab, welche Definition zugrunde gelegt wird.
Viele Wissenschaftler halten einen natürlichen Übergang vom Tier auf den Menschen weiterhin für die wahrscheinlichere Erklärung. Mehr als 150 Fachleute verteidigten Fauci vor der Anhörung in einem öffentlichen Brief und erklärten, für die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen seien keine glaubwürdigen Belege vorgelegt worden. Auch ein republikanisch geführter Unterausschuss fand 2024 keinen Beweis für ein Fehlverhalten Faucis.
Behörden und Fachleute bewerten die Laborthese unterschiedlich
Gleichzeitig hat die CIA ihre Einschätzung geändert. Geheimdienstdirektor John Ratcliffe vertritt inzwischen die Position, ein forschungsbedingter Ursprung sei wahrscheinlicher als ein natürlicher – allerdings nur mit geringer Sicherheit. Ein Unterausschuss des Repräsentantenhauses stützte ebenfalls die Laborthese.
Auch der frühere Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, nach dem aktuellen Wissensstand halte er die Laborthese für wahrscheinlicher. Eine abschließende Antwort ergibt sich daraus nicht: Geheimdienstliche Bewertungen, politische Untersuchungen und naturwissenschaftliche Belege folgen unterschiedlichen Maßstäben.
Fauci leitete das US-Institut für Infektionskrankheiten fast vier Jahrzehnte lang, beriet sieben Präsidenten und wurde während der Corona-Pandemie zu einer zentralen Figur der amerikanischen Gesundheitspolitik. Gerade deshalb richtet sich der politische Streit über Maskenpflichten, Forschung und staatliche Eingriffe bis heute stark auf seine Person. Der fünfte Verfassungszusatz erlaubt es ihm, Aussagen zu verweigern, die ihn selbst belasten könnten; er ist für sich genommen kein Eingeständnis von Fehlverhalten.
Kann eine politisch geführte Kongressuntersuchung noch zur Klärung des Corona-Ursprungs beitragen – oder vertieft sie vor allem die bestehenden Gräben? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























