„Das ist für uns der Beginn einer umfassenderen KI-Reise“, sagt Anna Santos, bei General Motors für Produktmanagement im Bereich Sprache sowie KI und maschinelles Lernen zuständig. Der US-Autobauer will noch im Laufe dieses Jahres einen eigenen GM-KI-Assistenten auf den Markt bringen. Das System soll stärker mit Fahrzeugfunktionen und Telemetriedaten verknüpft sein als der kürzlich eingeführte Gemini-Assistent von Google. Einen Namen für die neue Software nannte Santos nicht. Entwickelt wird sie gemeinsam mit einem bislang nicht genannten Anbieter eines großen Sprachmodells.
- GM plant die Einführung seines eigenen KI-Assistenten noch in diesem Jahr.
- Das System soll Fahrzeugwissen, Telemetriedaten und OnStar-Funktionen kombinieren.
- Ein nicht genannter Anbieter eines großen Sprachmodells ist an der Entwicklung beteiligt.
- Googles Gemini kann bereits einzelne Funktionen wie Temperatur und Radio steuern.
GM sieht Grenzen bei allgemein einsetzbarer KI
Santos begründet den nächsten Entwicklungsschritt mit den Einschränkungen eines Assistenten, der lediglich als zusätzliche Softwareschicht im Auto arbeitet. „Es gibt eine Grenze dessen, was eine KI leisten kann, die gewissermaßen nur auf der obersten Ebene des Fahrzeugs sitzt“, sagte sie dem US-Sender CNBC.
Der geplante Assistent soll laut Santos Konversations-KI mit dem Fahrzeugwissen von GM und den Informationen von OnStar verbinden, um Fähigkeiten anzubieten, die über einen allgemein einsetzbaren Assistenten hinausgehen.
Telemetrie bezeichnet grundsätzlich Daten über Zustand und Betrieb eines Fahrzeugs. Werden solche Informationen mit einem Sprachmodell verbunden, kann ein System Anfragen nicht nur sprachlich verstehen, sondern auch in den jeweiligen Fahrzeugkontext einordnen. Für GM-Kunden würde das bedeuten, dass Antworten und Funktionen stärker auf das konkrete Auto und dessen Nutzung zugeschnitten werden könnten.
Der neue Assistent soll Wartung und Bedienung verbinden
Nach Angaben von Santos arbeitet GM an Funktionen für vorausschauende Wartung, Fahrzeugtelemetrie und weitere speziell auf Autos ausgerichtete Anwendungen. Der Assistent solle „das Fahrzeug, die Fahrt und die Bedürfnisse unserer Kunden“ besser verstehen und den täglichen Besitz eines Autos einfacher machen.
Als mögliches Beispiel nannte sie eine sprachlich aktivierte „Kinder-Einstellung“. Ein solcher Befehl könnte Musik, Sitze, Heizung oder Kühlung sowie die Türverriegelung anpassen. Die Formulierung zeigt, in welche Richtung GM denkt; welche Funktionen tatsächlich zum Start verfügbar sein werden, geht aus den Angaben jedoch nicht hervor.
Der praktische Unterschied zu einer Smartphone-KI läge damit vor allem darin, dass der GM-KI-Assistent mehrere Fahrzeugfunktionen gemeinsam und passend zur jeweiligen Situation steuern könnte.
Gemini bleibt zunächst der allgemeinere Assistent
GM hatte zuvor angekündigt, Googles Gemini in Millionen Fahrzeugen ab dem Modelljahr 2022 anzubieten und später einen eigenen Assistenten folgen zu lassen. Mit Gemini können Nutzer in natürlicher Sprache sprechen, ohne feste Befehle auswendig lernen oder den Gesprächskontext ständig wiederholen zu müssen.
Gemini beginnt zudem, sogenannte Live-Sitzungen anzubieten. Dabei soll das System einen flüssigeren Dialog führen oder Spiele wie Quizfragen und „20 Fragen“ ermöglichen. Im Fahrzeug kann die Google-KI unter anderem Temperatur und Radio bedienen, arbeitet nach Santos‘ Darstellung insgesamt aber ähnlich wie auf einem Smartphone.
GM setzt beim eigenen System dagegen auf firmeneigene Daten. Ziel sei es, die passende Technologie bereitzustellen, um tiefes Fahrzeugwissen in den KI-Assistenten einzubringen, erklärte Santos. Damit entscheidet nicht allein die Qualität des Sprachmodells über den Nutzen, sondern auch, wie zuverlässig es mit den jeweiligen Fahrzeugdaten und Bedienelementen zusammenspielt.
Welche Aufgaben sollte ein fest ins Auto integrierter KI-Assistent übernehmen – und welche Bedienfunktionen sollten bewusst direkt steuerbar bleiben?






























