Für Anleger in Deutschland ist die Entspannung am Ölmarkt die unmittelbar wichtigste Nachricht: Am Sonntagabend fielen die Ölpreise deutlich, während US-Aktienfutures und der südkoreanische Kospi zulegten. Auslöser war die Hoffnung, dass Gespräche zwischen den USA und Iran den Weg zu einer Wiederöffnung der Straße von Hormus ebnen könnten. Beide Seiten setzten ihre gegenseitigen Angriffe zunächst weiter aus. Parallel richtet sich der Blick der Märkte auf die bevorstehende Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve und auf Quartalszahlen großer amerikanischer Technologiekonzerne.
- US-Öl verbilligte sich um 5,44 Prozent auf 84,45 US-Dollar je Barrel.
- Brent-Rohöl sank um 5,25 Prozent auf 91,70 US-Dollar je Barrel.
- Die Futures auf Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq legten am Sonntagabend zu.
- Die USA und Iran führen nach Angaben beider Seiten diplomatische Gespräche.
Sinkende Ölpreise könnten Europas Kostendruck lindern
Die Futures auf den Dow Jones stiegen um 337 Punkte beziehungsweise 0,65 Prozent. Beim S&P 500 betrug das Plus 0,80 Prozent, beim technologielastigen Nasdaq 1,28 Prozent. Auch in Südkorea war die Stimmung positiv: Der Kospi gewann 74 Punkte oder 1,1 Prozent. Gleichzeitig stieg der Goldpreis um 1,15 Prozent auf 4.118 US-Dollar je Unze.
Für importabhängige Volkswirtschaften in Europa bedeutet ein dauerhaft niedrigerer Ölpreis grundsätzlich weniger Kosten- und Inflationsdruck – einzelne Kursbewegungen schlagen sich allerdings nicht automatisch oder sofort in Verbraucherpreisen nieder.
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine zentrale Route für den internationalen Energietransport. Einschränkungen des Schiffsverkehrs können deshalb die Erwartungen für das weltweite Ölangebot und damit die Preise beeinflussen. Für Unternehmen und Haushalte im deutschsprachigen Raum ist der Ausgang der Verhandlungen somit auch jenseits der Finanzmärkte relevant.
Iran und Oman sprechen über Regeln für den Schiffsverkehr
US-Präsident Donald Trump und iranische Regierungsvertreter erklärten, beide Seiten seien nach fast zwei Wochen täglicher Angriffe diplomatisch aktiv. Daneben verhandeln Iran und Oman über eine mögliche Vereinbarung zur Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Im Mittelpunkt steht dem Bericht zufolge ein Modell, bei dem Iran den Schiffsverkehr mit weniger Beschränkungen für Schiffe abwickeln würde.
Ob eine solche Regelung politisch durchsetzbar wäre, bleibt offen. Die USA und Nachbarstaaten Irans dürften nach Einschätzung des Berichts kaum ein Abkommen akzeptieren, das eine iranische Kontrolle über die Wasserstraße anerkennt. Zugleich sind die Möglichkeiten Washingtons begrenzt, die Spannungen am Ölmarkt kurzfristig abzubauen.
Weitere Fortschritte bei der Öffnung der Wasserstraße könnten die Ölpreise zusätzlich entlasten; ein Scheitern der Gespräche würde dagegen einen zentralen Unsicherheitsfaktor für Energie- und Finanzmärkte bestehen lassen.
Militärische Warnungen erhöhen den Druck auf Washington
Die USA haben zusätzliche Soldaten und Flugzeuge in den Nahen Osten verlegt und halten sich damit die Möglichkeit weiterer Kampfhandlungen offen. Nach 40 Tagen umfassenden Krieges und 13 Tagen begrenzter Angriffe war die Straße von Hormus jedoch weiterhin nicht wieder geöffnet.
Nach Informationen von Axios empfahl Admiral Brad Cooper, der Chef des US Central Command, die jüngste Bombenkampagne zu beenden, weil sie die Grenze ihrer Wirksamkeit erreicht habe. Die „New York Times“ berichtete zudem, General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, habe intern vor einer gefährlichen Verringerung der Bestände an Abfangsystemen gewarnt, falls neue umfangreiche Angriffe eine iranische Reaktion auslösten. Trump ordnete die derzeitige Angriffspause am Freitag an.
Fed und Tech-Konzerne bestimmen die nächste Börsenwoche
Neben dem Konflikt wird die Sitzung der Federal Reserve für die Märkte entscheidend. Erwartet wird eine Debatte darüber, ob die US-Leitzinsen angehoben oder unverändert gelassen werden. Sinkende Ölpreise könnten den Inflationsdruck verringern, nehmen der Notenbank aber nicht die Entscheidung über ihren weiteren Kurs ab.
Für Anleger im Euroraum ist die Fed relevant, weil ihre Entscheidungen die Bewertung von Dollar-Anlagen, Finanzierungskosten und die Risikobereitschaft an internationalen Börsen beeinflussen können. Hinzu kommen neue Geschäftszahlen aus dem Technologiesektor: Microsoft und Meta berichten am Mittwoch, Apple und Amazon am Donnerstag. Der Google-Mutterkonzern Alphabet hatte zuvor die Gewinnerwartungen übertroffen, zugleich aber wegen hoher Ausgaben einen negativen Cashflow ausgewiesen.
Auch die Chipbranche bleibt im Blick. Der KI-Entwickler Anthropic fragte nach Angaben des SK-Group-Vorsitzenden Chey Tae Won beim Speicherchiphersteller SK Hynix Lieferungen für eigene Halbleiter an. Samsung Electronics erhielt außerdem einen Auftrag von Broadcom im Wert von mehr als 200 Milliarden US-Dollar. Damit treffen in der neuen Börsenwoche drei große Themen aufeinander: die Hormus-Diplomatie, die Geldpolitik der Fed und die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur.






























