Im Sommer-Weißes Haus änderte sich für amerikanische Präsidenten vor allem die Kulisse: Die Amtsgeschäfte liefen weiter, während Staatsoberhaupt und Familie das Weiße Haus zeitweise gegen einen landschaftlich reizvollen Rückzugsort tauschten. Aus anfänglichen Aufenthalten auf den eigenen Farmen und in privaten Gärten entstand eine dauerhafte Tradition. Mit besseren Reisemöglichkeiten rückten später auch weiter entfernte Ziele in Reichweite – von Massachusetts und New York über die Black Hills in South Dakota bis nach Kalifornien. Einige dieser historischen Residenzen sind erhalten und können heute besichtigt werden.
- Ein Sommer-Weißes Haus war kein gewöhnlicher Urlaubsort, weil die Präsidenten dort ihre Amtsgeschäfte fortführten.
- James Buchanan nutzte als erster Präsident regelmäßig ein Sommerhaus auf dem Gelände des Old Soldiers’ Home in Washington.
- Spätere Rückzugsorte lagen unter anderem in New York, Virginia, Texas, Idaho und Kalifornien.
- Mehrere frühere Präsidentenresidenzen sind heute für Besucher zugänglich.
Aus dem Rückzug nahe Washington wurde eine Tradition
In den frühen Jahren der Vereinigten Staaten verbrachten Präsidenten den Sommer häufig zu Hause und kümmerten sich dort um ihre Gärten oder Farmen. Eine stärker institutionalisierte Form entstand mit einem Cottage auf dem Gelände des Old Soldiers’ Home im Norden des District of Columbia. Das Anwesen umfasste 225 Acres und lag nicht weit vom Weißen Haus entfernt.
James Buchanan machte das Cottage zu seinem regelmäßigen Sommerdomizil. Auch Abraham Lincoln nutzte es als Sommer-Weißes Haus; dort soll er einen Entwurf der Emanzipationsproklamation verfasst haben.
Das Sommer-Weißes Haus bedeutete damit keine Pause von der Präsidentschaft, sondern eine räumliche Verlagerung ihrer Pflichten.
Genau darin liegt die politische Bedeutung dieser Orte: Der Präsident blieb jederzeit im Amt, konnte aber Besprechungen und Entscheidungen außerhalb des Oval Office führen. Das private Umfeld und die Regierungsarbeit gingen dabei ineinander über.
Bessere Verkehrswege erweiterten den Radius
Mit zunehmenden Reisemöglichkeiten lagen die Sommerquartiere immer weiter von Washington entfernt. John Adams kehrte während seiner Präsidentschaft nach Peace Field in Quincy, Massachusetts, zurück, wann immer es seine Amtsgeschäfte erlaubten. Das 1731 errichtete Old House war über vier Generationen Wohnsitz der Familie Adams. Später verbrachte auch John Quincy Adams dort Zeit, besonders während der Sommermonate. Das Haus und mehrere Acres historischer Gärten werden vom National Park Service bewahrt.
Theodore Roosevelt führte seine Amtsgeschäfte zeitweise von Sagamore Hill in Oyster Bay im Bundesstaat New York. Das von Wasserblicken und Naturwegen umgebene Anwesen erstreckt sich über 83 Acres. Das Gelände ist öffentlich zugänglich, Führungen können vorab online reserviert werden.
Ulysses S. Grant entdeckte Long Branch an der Küste New Jerseys 1867, als er noch General war. Er erklärte den Ort zu seiner Sommerhauptstadt und wohnte dort mit seiner Familie in einem viktorianischen Haus am Meer. Das Gebäude wurde in den 1960er-Jahren abgerissen.
Die Rückzugsorte spiegelten persönliche Vorlieben
Calvin Coolidge richtete sein Sommer-Weißes Haus in der State Game Lodge in den Black Hills von South Dakota ein. Herbert Hoover suchte dagegen gezielt einen Ort, der höchstens 100 Meilen von Washington entfernt, im Sommer kühler als die Hauptstadt und an einem Forellenbach gelegen sein sollte. Rapidan Camp in den Blue Ridge Mountains Virginias, heute Teil des Shenandoah-Nationalparks, erfüllte diese Vorgaben.
Franklin D. Roosevelt verbrachte große Teile seiner Kindheit und frühen Erwachsenenjahre auf Campobello Island in New Brunswick, Kanada. Während seiner Präsidentschaft kehrte er dreimal im Sommer dorthin zurück, darunter 1939 für einen Angelausflug wenige Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Die Auswahl der Orte zeigt, wie eng persönliche Erholung, Familienleben und die praktische Ausübung des Präsidentenamts verbunden waren.
Ranches wurden zu politischen Arbeitsorten
Dwight D. Eisenhower nutzte seine Farm neben dem Schlachtfeld von Gettysburg als Wochenend- und Sommerdomizil. Dort empfing er Staats- und Regierungsvertreter sowie Diplomaten zu informellen Gesprächen, die Spannungen des Kalten Krieges verringern sollten.
Lyndon B. Johnsons Ranch am Pedernales River wurde als „Texas White House“ bekannt. Rund ein Viertel seiner Präsidentschaft verbrachte er dort; Mitarbeitersitzungen hielt er dem Bericht zufolge gern unter einer großen Eiche vor dem Ranchhaus ab. John F. Kennedy wiederum nutzte das Kennedy-Anwesen in Hyannis Port auf Cape Cod zunächst als Basis seines Präsidentschaftswahlkampfs 1960 und später als Sommer-Weißes Haus.
Jimmy Carters eigentliches Sommerdomizil war sein privates Ranchhaus in Georgia. Zu seinen markanten Arbeitsurlauben gehörte jedoch eine Raftingfahrt auf dem Salmon River in Idaho im Sommer 1978. Die Reise soll spätere Naturschutzmaßnahmen beeinflusst haben, darunter seine Unterzeichnung des Central Idaho Wilderness Act von 1980. Ronald Reagan nutzte schließlich Rancho del Cielo, eine 688 Acres große Ranch nahe Santa Barbara, gemeinsam mit Nancy Reagan als Sommer-Weißes Haus.
Für historisch interessierte Reisende – auch aus dem deutschsprachigen Raum – machen die erhaltenen Häuser sichtbar, dass amerikanische Regierungsgeschichte nicht nur in Washington geschrieben wurde. Sie zeigen zugleich, wie ein Amt ohne echte Auszeit an wechselnden Orten weitergeführt werden konnte.
Welches historische Sommer-Weißes Haus würden Sie am liebsten besuchen – eine Küstenresidenz, ein Bergcamp oder eine Präsidentenranch?






























