Für den europäischen Fußball und damit auch für die deutschen Verbände verschärft sich der Konflikt mit der FIFA: Die Europäische Fußball-Union UEFA hat nach dem vorläufigen Ende der Investorenpläne des Weltverbands einen grundlegenden Kulturwechsel verlangt. In einer Stellungnahme vom Samstag griff sie FIFA-Präsident Gianni Infantino ungewöhnlich deutlich an. Er habe einen „schäbigen und undurchsichtigen Deal“ vorangetrieben, erklärte die UEFA. Der Vorschlag sei zwar zurückgenommen worden, die Aufarbeitung müsse jedoch weitergehen. Nun gehe es darum, Verantwortliche zu ermitteln und das verlorene Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen.
- Die UEFA begrüßt die Rücknahme der FIFA-Investorenpläne.
- Sie wirft Gianni Infantino mangelnde Transparenz und gebrochene Wahlversprechen vor.
- Gemeinsam mit internationalen Partnern will die UEFA einen neuen Vorschlag zur Verteilung von FIFA-Ressourcen erarbeiten.
Die UEFA sieht das Vertrauen in die FIFA beschädigt
Die UEFA erklärte, die aktuelle FIFA-Führung habe nicht nur ihr Vertrauen, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren. Sie kritisierte geheime und in kurzer Zeit vorangetriebene Pläne, die von anonymen Beteiligten entwickelt worden seien und dem Fußball lediglich einen zweifelhaften Nutzen gebracht hätten.
„Wir müssen die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen“, heißt es in der Stellungnahme der UEFA.
Die UEFA dankte zugleich allen, die dem FIFA-Präsidenten deutlich gemacht hätten, „dass Fußball nicht käuflich ist“. Die Rücknahme des Vorschlags bezeichnete sie als Sieg für den gesamten Fußball. Damit dürfe die Angelegenheit aus ihrer Sicht aber nicht abgeschlossen sein.
FIFA und UEFA erfüllen unterschiedliche Rollen: Die FIFA ist der weltweite Dachverband des Fußballs, während die UEFA die europäischen Nationalverbände bündelt und Wettbewerbe auf dem Kontinent organisiert. Ein offener Konflikt zwischen beiden Organisationen betrifft deshalb nicht nur Funktionäre. Für den europäischen und deutschen Fußball bedeutet er, dass Fragen der Finanzierung, Kontrolle und Entscheidungsfindung auf internationaler Ebene stärker umkämpft werden könnten.
Infantinos Versprechen stehen im Mittelpunkt der Kritik
Die UEFA erinnerte an zwei Zusagen Infantinos aus dem Jahr 2015: Er habe Transparenz sowie den Einsatz von FIFA-Geldern zum Wohl und zur Entwicklung des Fußballs angekündigt. Nach Auffassung des europäischen Verbands wurden beide Versprechen nicht eingehalten.
Der hinter verschlossenen Türen ausgehandelte Investorenplan sei nicht transparent gewesen, argumentierte die UEFA. Zudem habe Infantino trotz FIFA-Reserven von mehr als fünf Milliarden Dollar versäumt, die Mittel der Verbände zum Nutzen des Fußballs einzusetzen.
Die Rücknahme des Plans beendet damit zwar das konkrete Vorhaben, nicht aber den Macht- und Vertrauenskonflikt zwischen UEFA und FIFA.
Neuer Vorschlag für die Verteilung der FIFA-Mittel geplant
Die UEFA kündigte an, unverzüglich mit Partnern und Interessengruppen aus verschiedenen Bereichen des Fußballs zusammenzuarbeiten. Ziel sei ein neuer Weg für die Verteilung von Ressourcen innerhalb des bestehenden Programms FIFA Forward.
Dieses Programm bildet den Rahmen, über den die FIFA Mittel zur Entwicklung des Fußballs an ihre Mitgliedsverbände verteilt. Die angekündigte Initiative der UEFA bedeutet daher, dass sie die Debatte nicht auf die Kritik an Infantino beschränken will, sondern einen alternativen Ansatz innerhalb bereits vorhandener FIFA-Strukturen anstrebt. Ob daraus ein gemeinsamer Vorschlag entsteht und wie die FIFA darauf reagiert, geht aus der Stellungnahme nicht hervor.
Wie sollte die Verteilung von FIFA-Geldern kontrolliert werden: stärker durch die Kontinentalverbände oder weiterhin zentral durch den Weltverband?






























