Hims & Hers ist ein US-Telemedizinanbieter, der den Zugang zu medizinischer Versorgung über eine digitale Plattform organisiert. Nun verteidigt Vorstandschef Andrew Dudum das Geschäftsmodell gegen eine Klage der US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC), des Los Angeles County und des Bundesstaats Utah. Die im Juli eingereichte Klage wirft dem Unternehmen unter anderem vor, Gesundheitsinformationen von Nutzern mit Werbepartnern wie Meta und Snap geteilt zu haben. Dudum sagte in einem am Dienstag ausgestrahlten CNBC-Interview, die Anschuldigungen beruhten auf einem falschen Verständnis der Arbeitsweise von Hims & Hers.
- Die FTC, Los Angeles County und Utah reichten im Juli Klage gegen Hims & Hers ein.
- Die Kläger beanstanden den Umgang mit Gesundheitsdaten, die Abrechnung von Rezepten und die Kündigung von Abonnements.
- Dudum erwartet langfristig deutlich niedrigere Selbstzahlerpreise für GLP-1-Medikamente.
- Hims & Hers will stärker in eigene Systeme für künstliche Intelligenz investieren.
Die Klage betrifft Daten, Rezepte und Abonnements
Nach Darstellung der Kläger soll Hims & Hers Nutzerdaten mit Werbeunternehmen geteilt, Rezepte bereits vor einem Gespräch der Kunden mit einem medizinischen Anbieter berechnet und die Kündigung von Abonnements erschwert haben. Ob sich diese Vorwürfe bestätigen, muss im Verfahren geklärt werden. Eine eingereichte Klage ist noch keine gerichtliche Feststellung eines Fehlverhaltens.
Die FTC ist in den USA für Verbraucherschutz und Wettbewerbsfragen zuständig. Bei digitalen Gesundheitsdiensten berührt ihre Arbeit besonders sensible Bereiche: Medizinische Informationen können für die Behandlung nötig sein, sind zugleich aber für Werbezwecke wirtschaftlich interessant. Für Plattformen bedeutet das, dass sie nachvollziehbar trennen müssen, welche Daten für die Versorgung verarbeitet und welche möglicherweise an externe Dienste übermittelt werden.
Der Streit betrifft damit nicht nur Hims & Hers, sondern grundsätzlich die Frage, wie digitale Gesundheitsversorgung, Datenschutz und abonnementbasierte Geschäftsmodelle miteinander vereinbart werden können.
Dudum erklärte, Hims & Hers habe über Jahre mit der FTC zusammengearbeitet, um das eigene Vorgehen zu erläutern. Nach seiner Darstellung habe die Behörde letztlich stärker eine öffentlichkeitswirksame Schlagzeile als eine tatsächliche Einigung angestrebt. Das Unternehmen verstehe sich als aktiver Herausforderer traditioneller Strukturen und greife bestehende Abläufe dann an, wenn es darin einen Vorteil für den Zugang der Patienten zur Versorgung sehe.
Auch für Nutzer digitaler Gesundheitsangebote außerhalb der USA ist der Fall relevant. Er macht deutlich, dass einfache Online-Zugänge nicht nur an medizinischen Leistungen gemessen werden: Ebenso entscheidend sind transparente Zahlungsabläufe, klare Kündigungswege und der Schutz besonders persönlicher Informationen.
Hims & Hers wechselt bei GLP-1 auf Markenpräparate
Dudum äußerte sich außerdem zum Geschäft mit GLP-1-Medikamenten, die gegen Adipositas und zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden. Während Lieferengpässen konnte Hims & Hers rechtmäßig günstigere, nachgeahmte Rezepturversionen anbieten. Nachdem sich die Versorgung erholt hatte, verklagte der dänische Hersteller Novo Nordisk das Unternehmen wegen einer angeblichen Patentverletzung.
Im März zog Novo Nordisk die Klage zurück. Hims & Hers erklärte sich im Gegenzug bereit, die Markenmedikamente des Herstellers über seine Plattform anzubieten. Diese Umstellung fiel in eine Phase, in der Novo Nordisk und der Konkurrent Eli Lilly die Preise ihrer GLP-1-Präparate für Selbstzahler senkten.
Dudum hält weitere Preisrückgänge für möglich. Nach seiner Einschätzung könnten Selbstzahler langfristig monatlich 40 bis 50 US-Dollar zahlen. Derzeit seien es – abhängig von der Darreichungsform – ungefähr 150 bis 200 US-Dollar. Dabei handelt es sich um eine Prognose des Vorstandschefs, nicht um eine bereits angekündigte Preisänderung.
Sollte sich Dudums Preiserwartung erfüllen, würde dies die monatlichen Kosten für Selbstzahler erheblich verringern; einen konkreten Zeitplan nannte er jedoch nicht.
Eigene KI-Systeme sollen externe Anbieter ersetzen
Ein weiterer Schwerpunkt der Unternehmensstrategie ist künstliche Intelligenz. Hims & Hers erhöht laut Dudum seine Investitionen und will sich langfristig zu einem vollständig auf KI ausgerichteten Unternehmen entwickeln. Statt auf KI-Agenten von Drittanbietern zu setzen, soll die Technik zunehmend intern aufgebaut werden.
Dudum misst allgemeinen Basismodellen ohne einen geschlossenen, unternehmenseigenen Datenbestand nur begrenzten Wert bei. Als entscheidenden Vermögenswert bezeichnete er die innerhalb des Gesundheitssystems von Hims & Hers entstehenden Daten. Gerade diese Strategie erhöht allerdings die Bedeutung klarer Regeln für Zugriff, Nutzung und Schutz: Je zentraler Gesundheitsdaten für KI-Anwendungen werden, desto wichtiger wird für Patienten die Nachvollziehbarkeit der Verarbeitung.
Wie sollte Telemedizin den schnellen Zugang zu Behandlungen mit Datenschutz und transparenten Abonnements verbinden? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























