Für die NASA-Astronauten Jessica Meir und Jack Hathaway rückt nach sechs Monaten auf der Internationalen Raumstation die Heimreise näher: Sobald ihre Ablösung im kommenden Monat eingetroffen ist, sollen beide mit SpaceX zur Erde zurückkehren. Meir und Hathaway waren im Februar gestartet und berichteten am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press von ihren jüngsten Beobachtungen im All. Die totale Phase der Sonnenfinsternis in der vergangenen Woche blieb ihnen wegen der Position der ISS zwar verborgen. Eine partielle Finsternis konnten sie jedoch verfolgen – und für die kommende Mondfinsternis planen sie bereits den nächsten Beobachtungsversuch.
- Jessica Meir und Jack Hathaway sollen nach Ankunft ihrer Ablösung im kommenden Monat zur Erde zurückkehren.
- Die ISS-Besatzung sah die Sonnenfinsternis der vergangenen Woche nur partiell.
- Meir bezeichnete Nord- und Südlichter als die eindrucksvollsten Himmelserscheinungen aus dem Orbit.
- Zur aktuellen Crew gehören drei US-Amerikaner, drei Russen und ein französischer Astronaut.
Die ISS verfehlte die totale Phase der Sonnenfinsternis
Ob eine Finsternis von der Raumstation aus vollständig zu sehen ist, hängt von ihrer jeweiligen Position gegenüber Sonne, Erde und Mond ab. Bei einer Sonnenfinsternis muss sich ein Beobachter innerhalb des vergleichsweise begrenzten Bereichs befinden, in dem der Mond die Sonne vollständig verdeckt. Die ISS befand sich diesmal nicht in einer passenden Position.
Damit bot der Orbit zwar keinen Blick auf die Totalität, eröffnete der Besatzung aber dennoch eine ungewöhnliche Perspektive auf die partielle Verdunkelung.
Hathaway äußerte sich zuversichtlich, dass die geplante Beobachtung der Mondfinsternis gelingen könnte. Man hoffe auf das Beste; das Ereignis dürfte ziemlich beeindruckend werden, sagte er.
Polarlichter übertreffen für Meir selbst Finsternisse
Als spektakulärste kosmische Erscheinung nannte Meir jedoch die Nord- und Südlichter. Nach ihren Angaben kommt die Sonne gerade aus einer aktiven Phase, wodurch die Leuchterscheinungen dramatischer und heller ausfallen.
Polarlichter entstehen grundsätzlich, wenn elektrisch geladene Teilchen von der Sonne mit der Umgebung der Erde und Teilchen in der oberen Atmosphäre wechselwirken. Vom Boden erscheinen sie meist über dem Horizont oder am Himmel. Aus der ISS-Perspektive können Astronauten dagegen auf die leuchtenden Strukturen hinabblicken – ein Blickwinkel, der ihre räumliche Ausdehnung besonders deutlich macht.
Nach einem besonders großen Plasmaausstoß der Sonne sah Meir eine grüne, tanzende Aurora unmittelbar unter der Raumstation, die sie an eine Schlange erinnerte.
Das grüne Licht habe sich sogar an der weißen Außenhaut der ISS gespiegelt, berichtete die Kommandantin. Für Meir war diese Beobachtung außergewöhnlicher als die Finsternisse.
Kochen, Musik und Karaoke prägen den Alltag im Orbit
Neben wissenschaftlicher Arbeit und Himmelsbeobachtungen nutzt die Besatzung Freizeitaktivitäten als Ausgleich. Meir probierte auf der Station angebauten Blattsenf und Grünkohl und trug dabei eine mit Weltraumkatzen verzierte Schürze. Gemeinsam mit Anil Menon nahm sie in dieser Woche dessen erste Kochfolge unter dem Titel "Chez ISS" auf.
Menon war im vergangenen Monat in einer russischen Kapsel angekommen und hatte die Schürze sowie eine Kochmütze für weitere geplante Episoden mitgebracht. Meir wiederum nahm eine Piccoloflöte mit ins All. Für einen Auftritt mit den Boston Pops am 4. Juli spielte sie John Philip Sousas "The Stars and Stripes Forever"; ihr Beitrag war zuvor auf der Raumstation aufgenommen worden.
Auch ein eleganter Schal und eine glitzernde violette Schlaghose gehörten zu Meirs Gepäck. Bei ihrem vorherigen ISS-Aufenthalt hatte sie dagegen ein Kleid mitgenommen und am ersten ausschließlich von Frauen absolvierten Weltraumspaziergang teilgenommen.
Hathaway, ein Navy-Kapitän, sieht sich zwar nicht als besonders begabt beim Kochen oder Musizieren, langweilt sich nach eigenen Worten aber nie. An den Wochenenden veranstaltet die Crew unter anderem Karaoke-Abende mit Gitarre und weiteren Instrumenten.
Was würden Sie aus dem Orbit lieber beobachten: eine Finsternis oder leuchtende Polarlichter unter der ISS?






























