Das bislang schwer zu beziffernde Bombenfischen lässt sich in einem indonesischen Riffgebiet nun mit konkreten Messdaten belegen: Im Spermonde-Archipel südwestlich von Sulawesi registrierte ein Forschungsteam 3567 Unterwasserexplosionen. Die Aufzeichnungen entstanden über 483 Tage zwischen Mai 2023 und September 2024. Während das Gerät tatsächlich unter Wasser war, wurden im Durchschnitt etwas mehr als 23 Detonationen pro Tag erkannt – beinahe eine pro Stunde. Ben Williams vom University College London und seine Kollegen werteten dafür insgesamt 3650 Stunden Tonmaterial mithilfe künstlicher Intelligenz aus.
- Das Messgerät erkannte Explosionen in einem Radius von fast 17 Kilometern.
- Die Forschenden zeichneten 3567 Detonationen in 3650 Stunden Audiomaterial auf.
- Die Technik befand sich in 17 Metern Tiefe.
- Bombenfischen ist nach Angaben der Forschenden in 34 Ländern dokumentiert.
Die Messungen liefen über mehr als ein Jahr
Das Team installierte das akustische Überwachungssystem in 17 Metern Tiefe. Innerhalb seines Erfassungsbereichs von fast 17 Kilometern konnte es die starken Schallereignisse registrieren. Eine KI analysierte anschließend die umfangreichen Rohaufnahmen und half dabei, die Explosionen zu erkennen.
Beim Bombenfischen werden Sprengsätze unter Wasser gezündet. Die Druckwelle betäubt oder tötet Fische, sodass sie leichter eingesammelt werden können. Zugleich werden Korallenriffe zerstört und andere Meereslebewesen vernichtet. Das Spermonde-Archipel gilt als ein Gebiet mit großer Vielfalt an Korallenriffen und ist zugleich als Brennpunkt dieser Fangpraxis bekannt.
Innerhalb des überwachten Gebiets registrierte das System im Mittel mehr als 23 Explosionen pro Tag, an denen es unter Wasser aufzeichnete.
Williams zufolge sind die Detonationen bei einem Tauchgang nicht nur zu hören, sondern körperlich zu spüren. An der Oberfläche sei das verantwortliche Boot dennoch möglicherweise nicht zu sehen, weil sich der Schall unter Wasser über große Entfernungen ausbreite. Genau diese Eigenschaft erschwert die unmittelbare Zuordnung, macht aber zugleich eine weiträumige akustische Überwachung möglich.
Die Materialbeschaffung rückt stärker in den Fokus
Als zentrales Problem bezeichnet Williams die illegale Lieferkette hinter dem Bombenfischen. Häufig würden Düngemittel sowie Zünder oder Detonatoren beschafft. In anderen Regionen kämen auch gestohlene Sprengstoffe aus dem Bergbau oder militärische Sprengmittel zum Einsatz.
Kontrollen auf See seien nur begrenzt vorhanden. Williams vergleicht die Jagd auf einzelne Bombenfischer deshalb mit einem Maulwurfspiel: Wird an einer Stelle eingegriffen, verlagert sich die Aktivität. Aus seiner Sicht sollten Maßnahmen stärker bei den Lieferketten ansetzen, über die die nötigen Materialien zu Fischern oder Verkäufern gelangen.
Für Behörden würde eine verlässliche Karte der Explosionshäufigkeit bedeuten, knappe Kontrollmöglichkeiten gezielter auf besonders aktive Gebiete richten zu können.
Das ist zunächst eine mögliche Anwendung der Messmethode, keine bereits gemeldete Verschärfung der Kontrollen. Die Daten könnten außerdem als Vergleichsmaßstab dienen: Wird eine Maßnahme eingeführt, ließe sich anhand späterer Aufzeichnungen prüfen, ob die Zahl der Explosionen tatsächlich zurückgeht.
Die Methode könnte auch andere Regionen erfassen
Bombenfischen ist nicht auf Indonesien beschränkt. Williams zufolge wurde die Praxis in 34 Ländern dokumentiert – von Südamerika über den Mittelmeerraum und die Ostküste Afrikas bis nach Südostasien. Als Teil einer Lösung nennt er auch die Umschulung lokaler Bewohner für nachhaltigen Tourismus und die Wiederherstellung von Riffen.
Rinaldi Gotama von der University of Queensland, der nicht an der Arbeit beteiligt war und mit indonesischen Nichtregierungsorganisationen in betroffenen Riffgebieten gearbeitet hat, zeigte sich von der Häufigkeit nicht überrascht. Studien seien jedoch rar, weil sich Bombenfischen nur schwer quantifizieren lasse.
Würde die akustische Methode in weiteren Gebieten eingesetzt, könnte sie nach Gotamas Einschätzung Aktivitätsschwerpunkte sichtbar machen. Damit wäre sie nicht nur für die ökologische Beobachtung relevant, sondern auch für die Planung von Kontrollen und die Bewertung von Schutzmaßnahmen.
Sollten Behörden beim Kampf gegen Bombenfischen stärker auf akustische Überwachung oder auf die Lieferketten für Sprengmaterial setzen? Teilen Sie Ihre Einschätzung.






























