Der Widerstand gegen den FIFA-Investorenplan hat den deutschen und europäischen Fußball erreicht. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte das Vorhaben für nicht zustimmungsfähig und warnte vor einem Verlust der Fanakzeptanz. Die UEFA will am Donnerstag in einer Dringlichkeitssitzung mit allen 55 Mitgliedsverbänden über ihre Reaktion beraten. Nach Berichten von Sky, ESPN und Bloomberg könnte dabei auch ein möglicher Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft zur Sprache kommen. FIFA-Präsident Gianni Infantino will über eine neue Tochtergesellschaft private Investoren am Geschäft mit den Weltturnieren beteiligen.
- Der DFB lehnt den geplanten Verkauf von Anteilen am WM-Geschäft an private Geldgeber ab.
- Die UEFA bereitet für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung ihrer 55 Mitgliedsverbände vor.
- Investoren sollen nach FIFA-Angaben rund 20 Prozent an der neuen Gesellschaft FIFA Forward Enterprise erwerben können.
- Infantino bezeichnet das Vorhaben als Angebot innerhalb eines demokratischen Beratungsprozesses.
Neuendorf warnt vor einem Verlust der Fanakzeptanz
Neuendorf verlangte im ZDF, der Fußball müsse eigenständig bleiben. „Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen“, sagte der DFB-Präsident. Die Akzeptanz der Fans dürfe nicht verloren gehen; der eingeschlagene Weg drohe jedoch genau dazu zu führen.
Für den DFB geht es damit nicht allein um die Finanzierung der Weltmeisterschaften, sondern um die grundsätzliche Frage, wer künftig Einfluss auf das kommerzielle Geschäft des Weltfußballs erhält.
Der DFB gehört als deutscher Nationalverband zur UEFA, während die FIFA als Weltverband insgesamt 211 Mitgliedsverbände umfasst. Diese Aufteilung ist für den Konflikt entscheidend: Die UEFA kann eine weltweite FIFA-Entscheidung nicht allein verhindern. Eine abgestimmte Position ihrer 55 Verbände könnte den politischen Druck allerdings erhöhen. Über einen Boykott wird bislang lediglich als mögliches Beratungsthema berichtet; ein entsprechender Beschluss liegt nicht vor.
Private Geldgeber sollen rund 20 Prozent erwerben können
Im Zentrum des FIFA-Investorenplans steht die geplante Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise, kurz FFE. Dort sollen die kommerziellen Rechte an Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie der Klub-WM gebündelt werden. Nach Angaben der FIFA könnten private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile erwerben. Der anfänglich angesetzte Gesamtwert des Unternehmens liegt demnach bei 20 Milliarden US-Dollar, also grob 17 Milliarden Euro. Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafterin bleiben.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge setzte Infantino den Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September. Stimmen sie nicht zu, soll demnach das Angebot einer einmaligen Auszahlung zurückgezogen werden. Eine einfache Mehrheit der Verbände soll für die Umsetzung genügen.
Infantino verteidigte den Vorschlag in einem von der FIFA veröffentlichten Video. Es handle sich um eine Gelegenheit, nicht um eine Verpflichtung, sagte er. Zudem sei der Plan Teil eines demokratischen Beratungsprozesses.
UEFA kritisiert Frist und mangelnde Transparenz
Die UEFA reagierte besonders ablehnend auf die berichtete Frist. Dass die einmalige Auszahlung bei fehlender Unterstützung entfallen solle, sage bereits alles, was man über den Plan wissen müsse, erklärte der europäische Verband. Zuvor hatte er betont, weder die Seele noch die Führung des Fußballs dürften zu handelbaren Vermögenswerten werden.
„Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen“, erklärte die UEFA.
Kritik kommt auch aus anderen Kontinentalverbänden. Die CONCACAF, zuständig für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, äußerte tiefe Sorge über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens. Der asiatische Verband AFC bemängelte, dass ein Vorhaben dieser Tragweite öffentlich geworden sei, bevor es über die etablierten internen Kanäle geprüft und erörtert werden konnte.
Auch die europäische Spielergewerkschaft Fifpro lehnt den Plan ab. Sie kritisiert, dass ein Projekt dieser Größenordnung weitgehend hinter verschlossenen Türen entwickelt worden sei, ohne die besonders betroffenen Profis angemessen einzubeziehen. Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness stellte sich ebenfalls hinter die UEFA und begrüßte deren Versuch, die Reaktion der europäischen Verbände zu koordinieren.
In praktischer Hinsicht entscheidet die Debatte darüber, ob die FIFA zusätzliches privates Kapital in ihr Wettbewerbsgeschäft holen darf, ohne die Kontrolle über FFE abzugeben. Für Verbände, Spieler und Fans würde dies bedeuten, dass neben der FIFA künftig auch externe Anteilseigner ein finanzielles Interesse an den gebündelten kommerziellen Rechten hätten. Welchen konkreten Einfluss Investoren erhalten sollen, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor.
Sollte der DFB einen FIFA-Investorenplan grundsätzlich ablehnen – oder kommt es vor allem auf Transparenz und Mitspracherechte an? Teilen Sie uns Ihre Einschätzung mit.






























