Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) untersucht gemeinsam mit universitären und außeruniversitären Partnern, wie Typ-2-Diabetes entsteht und verhindert werden kann. Eine am 28. Juli 2026 veröffentlichte Auswertung des DZD, des Universitätsklinikums Tübingen und von Helmholtz Munich zeigt nun: Bei einer bestimmten Hochrisikogruppe könnte selbst eine deutliche, langfristig gehaltene Gewichtsabnahme nicht genügen. Teilnehmer aus dem sogenannten Risikocluster 5 verloren im Mittel acht Prozent ihres Körpergewichts. Dennoch stieg ihr Blutzucker, während die Insulinproduktion abnahm und das Risiko für Typ-2-Diabetes dauerhaft erhöht blieb. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Diabetes“.
- Die Analyse unterscheidet sechs Risikogruppen für Typ-2-Diabetes.
- Teilnehmer des Clusters 5 zeigten trotz acht Prozent Gewichtsverlust weiterhin ungünstige Stoffwechselwerte.
- Das Lebensstilprogramm dauerte zwei Jahre, anschließend wurden die Teilnehmer ungefähr neun Jahre beobachtet.
- Insulinresistenz und eine schwere Fettleber könnten den Forschern zufolge eine wichtige Rolle spielen.
Sechs Cluster bilden unterschiedliche Risikoprofile ab
DZD-Forscher hatten Menschen mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes bereits zuvor sechs Gruppen zugeordnet. Grundlage sind unterschiedliche Merkmale des Stoffwechsels. Die Cluster unterscheiden sich darin, wie häufig ein Diabetes entsteht und wie sich diabetesbedingte Folgeprobleme entwickeln. Die Gruppen 3 und 5 gelten dabei als besonders gefährdet.
Eine solche Einteilung soll sichtbar machen, dass ein erhöhtes Diabetesrisiko nicht bei allen Menschen auf denselben biologischen Vorgängen beruht. Typ-2-Diabetes ist durch eine gestörte Regulierung des Blutzuckers gekennzeichnet: Körperzellen können schlechter auf Insulin reagieren, und zugleich kann die Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung nachlassen.
Die neue Analyse deutet darauf hin, dass derselbe Gewichtsverlust je nach Stoffwechselprofil sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Blutzuckerregulation haben kann.
Langzeitdaten zeigen anhaltende Probleme in Cluster 5
Für die Studie wertete das Forschungsteam Daten des Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramms TULIP aus. Menschen mit erhöhtem Typ-2-Diabetes-Risiko nahmen zwei Jahre lang an einem Lebensstilprogramm teil und wurden danach ungefähr neun Jahre weiterbeobachtet. Im Mittelpunkt standen jene Teilnehmer, die deutlich abgenommen und das niedrigere Gewicht langfristig gehalten hatten.
Nach Angaben des Erstautors Norbert Stefan interessierte das Team insbesondere, ob sich die Hochrisikogruppen 3 und 5 bei der Entwicklung des Blutzuckers und der Vorbeugung von Typ-2-Diabetes von den übrigen Clustern unterschieden. In Cluster 5 verschlechterten sich zentrale Stoffwechselwerte trotz des anhaltenden Gewichtsverlusts: Der Blutzucker nahm zu, die Insulinsekretion ging zurück und das Diabetesrisiko blieb erhöht.
Die Resultate bedeuten nicht, dass eine Lebensstiländerung grundsätzlich wirkungslos wäre. Eine ausgewogene Ernährung, Gewichtsabnahme und mehr körperliche Aktivität können das Risiko für Typ-2-Diabetes bei vielen Menschen deutlich senken. Die Auswertung zeigt vielmehr einen Zusammenhang innerhalb einer besonders gefährdeten Gruppe; sie belegt nicht, dass der Gewichtsverlust selbst die ungünstige Entwicklung verursacht hat.
Fettleber und Insulinresistenz könnten den Unterschied erklären
Als mögliche Erklärung verweist das Forschungsteam auf eine ausgeprägte Insulinresistenz, die wahrscheinlich mit einer schweren Fettlebererkrankung zusammenhängt. Fettansammlungen in der Leber könnten zudem die Betazellen der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigen, die Insulin freisetzen. Diese Mechanismen würden erklären, warum der Blutzucker trotz Gewichtsabnahme weiter steigen kann. Die Studie weist hier jedoch auf mögliche biologische Zusammenhänge hin und liefert keinen abschließenden Kausalnachweis.
Frühere Erkenntnisse hatten Fettleber und Insulinresistenz bereits als zentrale Krankheitsprozesse des Tübinger Clusters 5 beschrieben. Diese Merkmale könnten die Betroffenen sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders anfällig machen.
Sollten prospektive Studien die Ergebnisse bestätigen, würde dies für die Diabetesprävention bedeuten, dass das Körpergewicht allein nicht ausreicht, um den Behandlungserfolg bei allen Risikoprofilen zu beurteilen.
Für Menschen aus Cluster 5 könnten dann intensivere oder gezielter auf ihre Stoffwechselprobleme zugeschnittene Ansätze geprüft werden. Das ist eine mögliche Konsequenz der Studie, noch keine daraus abgeleitete allgemeine Behandlungsempfehlung.
Sollte die Diabetesprävention stärker nach Stoffwechselprofilen unterscheiden, statt vor allem auf Gewichtsverlust zu setzen? Teilen Sie uns Ihre Einschätzung mit.






























