FIFA-Präsident Gianni Infantino hat am Mittwoch den umstrittenen FIFA-Investorenplan verteidigt. Über die neue Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) sollen die kommerziellen Rechte an den FIFA-eigenen Wettbewerben gebündelt und teilweise für private Kapitalgeber geöffnet werden. Der Weltverband will die Mehrheit und nach eigener Darstellung auch die alleinige Kontrolle behalten. Infantino bezeichnete das Modell in einem Video als freiwilliges Angebot, das von den 211 Mitgliedsverbänden und dem 38-köpfigen FIFA-Council gebilligt werden müsse. Aus Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika kommt jedoch deutliche Kritik am Inhalt oder am Verfahren.
- Die FIFA will später im Jahresverlauf 4,2 Milliarden US-Dollar von privaten Minderheitsinvestoren einwerben.
- Der Weltverband strebt für FFE eine anfängliche Unternehmensbewertung von 20 Milliarden US-Dollar an.
- Über das Vorhaben sollen die 211 FIFA-Mitgliedsverbände und das 38-köpfige FIFA-Council entscheiden.
- Medienberichten zufolge müssen sich die Verbände bis zum 19. September positionieren.
FFE soll FIFA-Wettbewerbe zentral vermarkten
Nach dem vorgestellten Modell würde FFE die Vermarktung und Organisation der FIFA-eigenen Wettbewerbe übernehmen. Dazu zählen laut Infantino auch Sponsoring, Übertragungsrechte, Lizenzen und neue Geschäftsfelder. Private Investoren sollen lediglich Minderheitsanteile ohne Kontrollrechte erwerben.
Die FIFA versichert zugleich, dass Entscheidungen über Regeln, Wettbewerbe, den Spielkalender und andere sportliche Fragen ausschließlich beim Weltverband bleiben würden. Infantino begründet das Vorhaben damit, bislang nicht ausgeschöpften kommerziellen Wert zu erschließen. Dafür seien zusätzliche wirtschaftliche Kenntnisse nötig, die von der Leitung und Entwicklung des Sports getrennt seien.
Der Plan trennt damit formal die sportliche Kontrolle von der wirtschaftlichen Beteiligung: Investoren sollen am kommerziellen Erfolg verdienen können, ohne laut FIFA über Regeln oder Wettbewerbe zu bestimmen.
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Debatte. Eine kommerzielle Tochtergesellschaft kann Vermarktung bündeln und externes Kapital aufnehmen; zugleich würde sie private Anteilseigner dauerhaft an den wirtschaftlichen Ergebnissen der FIFA-Wettbewerbe beteiligen. Für die Mitgliedsverbände bedeutet die Abstimmung deshalb mehr als eine kurzfristige Finanzierungsentscheidung.
UEFA und DFB stellen sich gegen das Vorhaben
Die UEFA erklärte, mit dem Modell werde eine Grenze überschritten. Sie kritisierte insbesondere die fehlende Transparenz darüber, wer finanziell profitieren könnte. Auch die nach Medienberichten gesetzte Frist bis zum 19. September stieß beim europäischen Verband auf scharfe Ablehnung.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf nannte es gegenüber Sportschau und ZDF ein „fatales Zeichen“, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Die Pläne seien „überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig“. Für den deutschen Fußball ist die Auseinandersetzung unmittelbar relevant: Der DFB gehört als nationaler Verband zur FIFA und ist zugleich Mitglied der UEFA, die den Plan entschieden ablehnt.
Auch außerhalb Europas gibt es Kritik am Vorgehen. Der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF äußerte tiefe Sorge wegen des fehlenden ordnungsgemäßen Verfahrens. Der asiatische Kontinentalverband AFC zeigte sich enttäuscht, nicht vorher konsultiert worden zu sein. EU-Sportkommissar Glenn Micallef reagierte mit der Forderung: „Hände weg von unserem Spiel.“
Finanzielle Angebote erhöhen den Druck auf die Verbände
Nach übereinstimmenden Medienberichten stellte Infantino jedem Mitgliedsverband 40 Millionen US-Dollar in Aussicht, wenn dieser den Plan unterstützt. Daneben erklärte die FIFA, jeder Verband solle die Möglichkeit erhalten, einmalig einen FFE-Anteil im Wert von 20 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Dieser entspräche 0,1 Prozent des Unternehmens.
Gerade für kleinere oder finanzschwächere Verbände können solche Summen erhebliches Gewicht haben – und damit die Frage verschärfen, ob die Entscheidung allein nach dem langfristigen Interesse des Fußballs getroffen wird.
Infantino weist den Eindruck einer Verpflichtung zurück. FFE sei ein Vorschlag innerhalb eines demokratischen Beratungsprozesses und eine „Gelegenheit, aber keine Verpflichtung“. Nach den Berichten soll für die Zustimmung der Nationalverbände eine einfache Mehrheit genügen; zusätzlich ist die Billigung durch das FIFA-Council vorgesehen.
Frühere Investorenpläne scheiterten bereits am Widerstand
Der aktuelle Vorstoß steht nicht ohne Vorgeschichte da. Bereits 2019 lehnte ein FIFA-Gremium einen von Infantino unterstützten Plan über private Investitionen von 25 Milliarden US-Dollar in eine erweiterte Klub-WM ab. Die FIFA vergrößerte den Wettbewerb später dennoch von sieben auf 32 Vereine und spielte ihn 2025 in diesem Format aus.
Als Nächstes kommt it darauf an, wie sich die Mitgliedsverbände bis zur genannten Frist positionieren und ob anschließend auch das FIFA-Council zustimmt. Ohne diese beiden Schritte kann FFE nach Infantinos Darstellung nicht in der geplanten Form umgesetzt werden.
Sollte die FIFA private Minderheitsinvestoren an ihren Wettbewerben beteiligen, wenn die sportliche Kontrolle beim Verband bleibt? Teilen Sie Ihre Einschätzung zum FFE-Modell.






























