Beim Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo richten internationale Organisationen eindringliche Warnungen an die Weltgemeinschaft. Die Epidemie sei „noch lange nicht unter Kontrolle“, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einer Krisensitzung. Bis zum 17. August waren 2325 Todesfälle registriert, die Zahl der Erkrankungen liegt bei fast 5000. Deutschland reagiert mit zusätzlichen elf Millionen Euro, während auch die EU und die Vereinten Nationen weitere Mittel und Ausrüstung bereitstellen. Betroffen sind sechs Provinzen des Landes; Fälle wurden zudem im benachbarten Uganda gemeldet.
- Der aktuelle Ebola-Ausbruch ist der tödlichste in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo.
- Bis zum 17. August wurden 2325 Todesfälle registriert, fast 5000 Menschen erkrankten.
- Deutschland stellt zusätzlich elf Millionen Euro für die Bekämpfung der Epidemie bereit.
- Die Bundibugyo-Variante erschwert den Einsatz bestehender Impfstoffe und Behandlungen.
Die WHO sieht weiterhin unentdeckte Infektionsketten
„Solange nicht jede Kette gefunden und unterbrochen ist, wird die Epidemie andauern“, warnte Tedros.
Besonders beunruhigt den WHO-Chef, dass Menschen zu Hause, in ihren Gemeinden und außerhalb von Behandlungszentren sterben. Viele von ihnen standen zuvor nicht auf bekannten Kontaktlisten. Jeder solche Todesfall könne auf eine bislang unentdeckte Übertragungskette hindeuten.
Der Berliner Tropenmediziner Maximilian Gertler geht ebenfalls von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Viele Krankheits- und Todesfälle würden vermutlich überhaupt nicht erfasst. Die meisten neu erkannten Erkrankten seien zuvor nicht als Kontaktpersonen registriert gewesen. Kontaktverfolgung soll normalerweise Personen identifizieren, die einem Erreger ausgesetzt waren, damit sie beobachtet, getestet und bei Bedarf isoliert werden können.
Offiziell bekannt gegeben wurde der 17. dokumentierte Ebola-Ausbruch des Landes Mitte Mai. Wegen der damals bereits hohen Fallzahlen vermuten Fachleute jedoch, dass sich das Virus schon seit mehreren Wochen oder sogar seit Jahresbeginn verbreitete. Inzwischen gilt die Epidemie als der tödlichste Ebola-Ausbruch, den die Demokratische Republik Kongo erlebt hat. 1040 Erkrankte gelten als genesen.
Die Bekämpfung wird durch bewaffnete Konflikte, Vertreibungen und starke Bevölkerungsbewegungen auf Straßen, Flüssen und Bergbaurouten erschwert. Medizinische Teams müssen zudem entlegene Regionen erreichen, in denen Tests, Isolation, Behandlung und Aufklärung nur schwer möglich sind.
Deutschland, EU und UN erhöhen ihre Unterstützung
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan bezeichnete die Lage als „absolut dramatisch“. Deutschland werde weitere elf Millionen Euro bereitstellen. Nach ihren Angaben umfasst die Unterstützung Ausrüstung, mobile Labore und Schulungen für Gesundheitskräfte, die über die Krankheit informieren sollen.
Für die Helfer sei es wegen der bewaffneten Konflikte „unglaublich schwer“, überhaupt zu den Menschen zu gelangen, sagte die SPD-Politikerin. Für die Eindämmung bedeutet das: Zusätzliche Finanzierung allein reicht nicht aus, wenn Personal und Material die betroffenen Gemeinden nicht sicher erreichen können.
Die Europäische Union liefert Ebola-Schnelltests und Testgeräte im Wert von 2,5 Millionen Euro; erste Lieferungen sollen noch im August eintreffen. Insgesamt hat die EU-Kommission nach eigenen Angaben 493 Millionen Euro für Nothilfe, Impfstoffe, Behandlung und Gesundheitsschutz in der Region der Großen Seen und in Uganda mobilisiert.
Die Vereinten Nationen stellen weitere 30,5 Millionen US-Dollar bereit, umgerechnet rund 26,4 Millionen Euro. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher zufolge stirbt im Durchschnitt alle 30 Minuten ein Mensch an der Krankheit.
„Ebola gewinnt in der Demokratischen Republik Kongo. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus unsere Hilfsmaßnahmen überholt“, mahnte Fletcher.
Die WHO hält eine Eindämmung innerhalb von drei Monaten für möglich, sofern genügend Mittel verfügbar sind. Diese Einschätzung beschreibt ein mögliches Ziel, keine Prognose: Entscheidend bleibt, ob unbekannte Infektionsketten entdeckt und unterbrochen werden.
Die Bundibugyo-Variante begrenzt die verfügbaren Mittel
Verursacht wird der aktuelle Ausbruch durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus. Gegen sie gibt es bislang weder einen zugelassenen spezifischen Impfstoff noch eine spezielle Behandlung. Bei einem älteren Impfstoff ist unklar, ob er gegen diese Variante hilft. Klinische Tests mit antiviralen Therapien laufen, außerdem wird an neuen Impfstoffen geforscht.
Ebola wird vor allem durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen übertragen. Die Erkrankung kann Fieber, Muskelbeschwerden, Durchfall, Blutungen und Organversagen verursachen. Da frühe Symptome auch anderen Infektionen ähneln können, sind zugängliche Labortests für eine schnelle Diagnose besonders wichtig.
Der bislang schwerste Ebola-Ausbruch weltweit traf Westafrika. Dort starben zwischen 2014 und 2016 rund 11.300 Menschen. Der aktuelle Verlauf im Kongo liegt unter dieser Gesamtzahl, verbreitet sich nach Angaben von WHO und UN jedoch schneller als frühere Ebola-Epidemien.






























