Der jordanische Fußballverband wird Gianni Infantino nicht unterstützen: Verbandspräsident Ali bin Hussein erklärte am Dienstag auf X, während der Fußball-Weltmeisterschaft sei ihm mündlich signalisiert worden, eine Empfehlung für den FIFA-Präsidenten könne seinem Verband bei offenen Problemen helfen. Der frühere FIFA-Vizepräsident wertet diese Verknüpfung als „Erpressung“ und kündigte an, nicht nachzugeben. Seine Anschuldigungen treffen Infantino in einer Phase wachsender Kritik an dessen Führung und nach dem Scheitern eines umstrittenen Plans, einen Anteil am künftigen WM-Geschäft an Investoren zu verkaufen.
- Ali bin Hussein zufolge stellte die FIFA Hilfe in Aussicht, falls er Infantino unterstützt.
- Jordanien wartet nach Angaben des Verbandschefs weiterhin auf Prämien aus dem FIFA Arab Cup.
- Infantino steht zugleich wegen eines gescheiterten Beteiligungsplans für das WM-Geschäft unter Druck.
Die Botschaft soll während der Weltmeisterschaft gekommen sein
Nach der Darstellung von Ali bin Hussein ging der mutmaßlichen Einflussnahme ein monatelanger Streit voraus. Die FIFA habe dem jordanischen Verband bei mehreren Anliegen nicht geholfen. Während der Weltmeisterschaft, bei der Jordanien im Juni sein Debüt gab und in der Gruppenphase ausschied, sei dann die Botschaft übermittelt worden, eine Unterstützung Infantinos könne dem Verband weiterhelfen.
Ali bin Hussein erklärte, Jordanien habe Infantino schon zuvor nicht unterstützt und werde dies nun erst recht nicht tun.
Eine öffentliche Empfehlung ist zwar noch keine abgegebene Stimme. Bei der Wahl des FIFA-Präsidenten entscheiden jedoch die 211 Mitgliedsverbände. Die klare Absage Jordaniens bedeutet deshalb, dass Infantino zumindest auf die demonstrative Unterstützung dieses Verbands nicht zählen kann. Zugleich könnte der Vorwurf die Frage verschärfen, wie die FIFA-Führung mit kleineren Mitgliedsverbänden und deren finanziellen Anliegen umgeht.
Al Jazeera bat die FIFA zu sämtlichen Anschuldigungen um eine Stellungnahme.
Jordanien beklagt ausstehende Prämien und hohe Belastungen
Zu den offenen Punkten zählt nach Angaben Ali bin Husseins das Preisgeld für den Einzug ins Endspiel des FIFA Arab Cup in Katar. Jordanien hatte das Finale des im Dezember ausgetragenen Turniers gegen Marokko verloren. Das dem Verband zustehende Geld sei weiterhin nicht ausgezahlt worden, erklärte der Verbandschef.
Daneben beklagte er hohe Ticketpreise für jordanische Fans, denen dennoch Visa für die Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten verweigert worden seien. Außerdem seien Jordanien wegen seines Aufenthalts und seiner Teilnahme in den USA über die FIFA steuerliche Kosten entstanden. Mannschaften, die in Kanada oder Mexiko spielten und ihr Quartier dort bezogen, seien damit nach seiner Darstellung nicht konfrontiert gewesen.
Für den Verband bedeutet das nach Ali bin Husseins Darstellung, dass Geld, das Spielern und Mitarbeitern zugutekommen sollte, durch zusätzliche Kosten gebunden wird.
Der Konflikt betrifft damit nicht nur die bevorstehende Präsidentenwahl. Er berührt auch die praktische Rolle der FIFA als Veranstalter und Ansprechpartner ihrer nationalen Mitgliedsverbände – von Turnierprämien bis zu organisatorischen und finanziellen Fragen.
Ein gescheiterter Investorenplan erhöht den Druck auf Infantino
Die Vorwürfe aus Jordanien fallen in eine Auseinandersetzung über Infantinos inzwischen aufgegebenen Plan, Investoren unter Führung von Joshua Kushner an künftigen WM-Erlösen zu beteiligen. Die FIFA hatte argumentiert, der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an ihren kommerziellen Aktivitäten könne Milliarden für die weltweite Sportentwicklung einbringen. Konföderationen und nationale Verbände lehnten das Vorhaben jedoch ab.
Auch innerhalb der FIFA-Führung gab es Distanzierungen. Generalsekretär Mattias Grafström und Arsène Wenger rückten von dem Vorstoß ab. Die UEFA bestätigte zudem, der FIFA ein Schreiben zur Sicherung von Dokumenten zugestellt zu haben. Solche Schreiben dienen grundsätzlich dazu, potenziell relevante Unterlagen für mögliche weitere rechtliche Schritte zu erhalten.
Ali bin Hussein kennt FIFA-Wahlen aus eigener Erfahrung: Als Infantino im Februar 2016 erstmals gewählt wurde, belegte der jordanische Prinz in dem Rennen mit fünf Kandidaten den dritten Platz. Für die nächste Wahl hat die FIFA den 18. November als Frist für Kandidaturen festgelegt; die Abstimmung der Mitgliedsverbände ist für den 18. März in Rabat vorgesehen.
Wie sollte die FIFA mit dem Erpressungsvorwurf aus Jordanien umgehen – reicht eine Stellungnahme oder braucht es eine unabhängige Prüfung?






























