Katars Fußballverband stellt den Anspruch der Asiatischen Fußballkonföderation AFC infrage, bei der Forderung nach einem Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino für ihre 47 Mitgliedsverbände gesprochen zu haben. QFA-Präsident Hamad bin Khalifa Al-Thani erklärte in einem Schreiben an AFC-Präsident Sheikh Salman bin Ibrahim Al Khalifa, weder er noch sein Verband seien vor der Veröffentlichung konsultiert worden. Damit wird aus dem Streit um Infantinos gescheiterten Plan für private Investitionen in FIFA-Wettbewerbe nun auch ein Konflikt über die interne Willensbildung im asiatischen Fußball.
- Die AFC hatte am Montag gemeinsam mit UEFA und CONCACAF Infantinos Verhalten kritisiert und seinen Rücktritt verlangt.
- Katars Verbandspräsident bestreitet, vor dem offenen Brief informiert oder angehört worden zu sein.
- Sechs arabische Nationalverbände, darunter Katar und Marokko, stellten sich am Donnerstag hinter Infantino.
- Infantinos zurückgezogener Plan sollte durch den Verkauf von 20 Prozent kommerzieller Rechte rund 4,2 Milliarden US-Dollar einbringen.
Katar verlangt Auskunft über das Mandat der AFC
Al-Thani forderte die AFC-Führung auf offenzulegen, welche Abstimmung vor der gemeinsamen Erklärung stattgefunden habe. Außerdem solle sie erklären, auf welcher Grundlage sie sich berechtigt gesehen habe, kollektiv für sämtliche 47 Mitgliedsverbände aufzutreten.
In dem Reuters vorliegenden Schreiben betonte Al-Thani, weder die Qatar Football Association noch er persönlich seien vorab formell oder informell konsultiert worden. Es habe demnach weder eine Vorankündigung noch einen Entwurf oder eine Gelegenheit gegeben, am Text mitzuwirken.
Der Einwand zielt damit nicht nur auf den Inhalt des offenen Briefes, sondern auf dessen politische Legitimation innerhalb der AFC.
Die AFC bündelt die nationalen Fußballverbände Asiens, während die UEFA den europäischen Fußball und die CONCACAF Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik vertritt. Wenn solche Konföderationen im Namen ihrer Mitglieder auftreten, verleiht dies einer Position besonderes Gewicht. Katars Widerspruch bedeutet deshalb, dass die geschlossene Front gegen Infantino zumindest innerhalb Asiens nicht als selbstverständlich gelten kann.
Arabische Verbände stellen sich hinter Infantino
Der Brief aus Katar folgt auf eine gemeinsame Unterstützungserklärung von sechs Vorsitzenden arabischer Nationalverbände. Zu den Unterzeichnern vom Donnerstag gehören Katar und Marokko, das als Mitgastgeber der Weltmeisterschaft 2030 genannt wird.
Neben Al-Thani unterzeichneten auch Hany Abo Rida vom ägyptischen Verband, Fouzi Lekjaa aus Marokko und Ahmed Yahya aus Mauretanien. Alle vier gehören zugleich dem FIFA-Council an, einem Entscheidungsgremium des Weltverbands.
Die sechs Verbandschefs würdigten Infantinos Bemühungen, den Fußball weltweit weiterzuentwickeln, Möglichkeiten in allen Regionen auszuweiten und die verbindende Rolle des Sports zu stärken. Ihre Erklärung steht damit in direktem politischen Gegensatz zur Rücktrittsforderung der drei Kontinentalverbände.
Für Infantino, der im kommenden Jahr erneut kandidieren will, macht die Intervention sichtbar, dass die Unterstützung im internationalen Fußball nicht entlang einer einheitlichen Linie der Konföderationen verläuft.
Ein gescheitertes Investorenmodell löste die Krise aus
Ausgangspunkt des Konflikts war Infantinos Vorschlag, kommerzielle Rechte an FIFA-Wettbewerben einschließlich der Weltmeisterschaft auszugliedern. Durch den Verkauf eines Anteils von 20 Prozent an private Investoren sollten rund 4,2 Milliarden US-Dollar beschafft werden.
Nach der heftigen Kontroverse nahm Infantino den Plan zurück. UEFA, AFC und CONCACAF griffen anschließend sein Vorgehen in ihrem offenen Brief an und verlangten seinen Rücktritt.
Für die UEFA und damit auch für den europäischen Fußball ist der Widerspruch aus Katar bedeutsam: Er könnte die politische Wirkung des gemeinsamen Briefes begrenzen, falls weitere AFC-Mitglieder dessen Anspruch auf eine kollektive Position bestreiten. Ob dies geschieht, geht aus dem Bericht jedoch nicht hervor.
Sollten Kontinentalverbände vor gemeinsamen politischen Erklärungen jedes Mitglied ausdrücklich konsultieren? Teilen Sie Ihre Einschätzung zur Rolle der AFC.






























