Eeman Farooqui aus Buffalo im US-Bundesstaat New York verbindet eine Vollzeitstelle im Gesundheitswesen mit vier Nebenjobs und Vorbereitungskursen für das Medizinstudium. Die 24-jährige klinische Koordinatorin will damit Geld für Studiengebühren und einen möglichen Umzug ansparen. Bewerbungen hat sie an Hochschulen in New York, New Jersey und Pennsylvania geschickt. Ihr Alltag beginnt nach eigenen Angaben um 5 Uhr morgens; nachts schläft sie im Durchschnitt nur etwa fünf Stunden. Gegenüber Business Insider schilderte sie, dass sie sich ständig erschöpft fühle und ihr derzeitiges Arbeitspensum nicht nachhaltig sei.
- Farooqui arbeitet vier Tage pro Woche jeweils rund zehn Stunden, mit Überstunden häufig zwölf Stunden.
- Zusätzlich verdient sie Geld mit Babysitting, Nachhilfe, medizinischer Assistenz und Essenslieferungen.
- Ihr monatliches Einkommen aus der Hauptbeschäftigung liegt laut eigener Aussage einschließlich Überstunden bei 4.500 bis 5.000 US-Dollar.
- Zweimal pro Woche besucht sie nach der Arbeit Vorbereitungskurse für das Medizinstudium.
Die Hauptstelle reicht für ihre Studienpläne nicht aus
Als klinische Koordinatorin spricht Farooqui mit Patientinnen und Patienten, misst Vitalwerte und organisiert die Kommunikation mit Ärzten. Ihre Schicht beginnt um 6 Uhr. Davor steht sie auf und absolviert nach eigener Schilderung noch eine kurze Trainingseinheit.
Mit Überstunden verdient sie monatlich etwa 4.500 bis 5.000 US-Dollar, umgerechnet grob 3.900 bis 4.300 Euro. Dieses Einkommen allein genügt ihr nach eigener Einschätzung nicht, weil sie sowohl Studiengebühren als auch einen möglichen Wohnortwechsel einplanen muss.
Um diese Kosten finanzieren zu können, nutzt Farooqui nahezu jede freie Phase ihrer Woche für zusätzliche Arbeit.
Der Weg zum Arztberuf ist in den USA strukturell anders organisiert als in Deutschland. Auf ein grundständiges Hochschulstudium folgt üblicherweise die Bewerbung an einer Medical School; dafür müssen bestimmte fachliche Voraussetzungen erfüllt sein. In Deutschland beginnt das reguläre Medizinstudium dagegen direkt als universitärer Studiengang. Farooquis zusätzliche Kurse sind somit Teil der Vorbereitung auf das US-amerikanische Zulassungsmodell.
Vier Nebenjobs füllen Abende und freie Tage
Den größten zeitlichen Anteil unter ihren Nebenjobs nimmt das Babysitting ein. An mindestens drei Tagen pro Woche betreut Farooqui für jeweils bis zu drei Stunden drei Kinder. Zwei der Kinder, Schwestern im Alter von fünf und sieben Jahren, sind im Autismus-Spektrum; das dritte Kind ist acht Jahre alt. Sie erhält dafür etwa 28 US-Dollar pro Stunde, also grob 24 Euro.
Daneben unterrichtet sie Masterstudierende ihrer früheren Universität, der University at Buffalo, in Zellbiologie, Biochemie und Genetik. Dafür wendet sie wöchentlich zehn Stunden auf und verdient rund 22 US-Dollar je Stunde, ungefähr 19 Euro.
An freien Montagen übernimmt sie außerdem flexibel Schichten als medizinische Assistentin. Der Stundenlohn liegt laut Farooqui bei 25 US-Dollar, umgerechnet etwa 22 Euro.
Am liebsten liefert sie gemeinsam mit ihrem Mann Essen für DoorDash aus. Freitags, samstags und sonntags fahren beide jeweils etwa vier Stunden durch Buffalo. Farooqui beziffert den durchschnittlichen Verdienst auf 35 US-Dollar pro Stunde, grob 30 Euro. Weil ihr Mann meist fährt, empfindet sie diese Zeit zugleich als gemeinsame Auszeit.
Das Beispiel macht deutlich, dass der zusätzliche Verdienst unmittelbar mit einem Verlust an Schlaf, Erholung und sozialer Zeit erkauft wird.
Fünf Stunden Schlaf markieren die persönliche Grenze
Farooqui sieht ihre Eltern nur selten, obwohl diese lediglich fünf Minuten entfernt wohnen. Wann sie zuletzt Freunde getroffen habe, könne sie nicht mehr sagen, da sich die jeweiligen Zeitpläne kaum vereinbaren ließen. Am Ende einer Woche wolle sie nichts mehr tun, bevor der Ablauf am Montag von vorn beginne.
Als positiven Effekt nennt sie ihre größere Disziplin: Sie stehe früher auf als während ihrer ersten Studienzeit und verbringe kaum noch Zeit mit ziellosem Scrollen in sozialen Medien. Gleichzeitig hat sie aufgehört, ihren überfüllten Alltag zu idealisieren.
Spätestens während des Medizinstudiums könne sie dieses Pensum nicht fortsetzen, sagt Farooqui; langfristig möchte sie sich auf Frauengesundheit spezialisieren.
Aus ihrem individuellen Erfahrungsbericht lässt sich keine allgemeine Aussage über alle Medizinstudierenden in den USA ableiten. Für Studieninteressierte zeigt er jedoch, welche Belastung entstehen kann, wenn Ausbildungskosten und Lebenshaltung vor Studienbeginn durch zusätzliche Arbeit abgesichert werden sollen. Farooquis Motivation bleibt nach eigener Aussage der Wunsch, Ärztin zu werden – ausgelöst durch den Tod ihrer Großmutter nach einem Schlaganfall und das Gefühl, in der Patientenversorgung arbeiten zu wollen.
Wie viel zusätzliche Arbeit ist für ein Studienziel noch vertretbar, und wo sollte die persönliche Belastungsgrenze liegen?






























