Für den europäischen Fußball ist der geplante FIFA-WM-Deal zwar gestoppt, juristisch könnte er aber nachwirken. Die UEFA hat dem Weltverband FIFA wegen der versuchten Einbindung privater Investoren rechtliche Schritte angedroht. Nach einem vom „Telegraph“ zitierten Schreiben prüft der europäische Verband Klagen, ein Schiedsverfahren und/oder Beschwerden bei Aufsichtsbehörden. Das Schreiben ging am Freitag noch vor der Absage an die FIFA und weitere Beteiligte. Zugleich verlangte die UEFA, dass Unterlagen und elektronisch gespeicherte Informationen zum Programm „FIFA Forward Enterprise“ umgehend gesichert werden.
- Die UEFA prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte, ein Schiedsverfahren und Beschwerden bei Aufsichtsbehörden.
- FIFA-Präsident Gianni Infantino wollte rund 20 Prozent an den Weltmeisterschaften für angestrebte 20 Milliarden US-Dollar verkaufen.
- UEFA, CONCACAF und AFC stellten sich gegen das Vorhaben.
- Die FIFA sagte den Plan in der Nacht zum Samstag ab.
Die UEFA warnt ausdrücklich vor „Beweisvernichtung“
In ihrem Schreiben forderte die UEFA die Adressaten auf, alle beschriebenen Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern. Neben der FIFA erhielten dem Bericht zufolge auch Joshua Kushner, Greg Maffei, JP Morgan und OpenEconomics entsprechende Schreiben.
Die UEFA warnte ausdrücklich vor einer „Beweisvernichtung“ und erklärte, wegen eines möglichen Verfahrens müssten relevante Unterlagen mit sofortiger Wirkung aufbewahrt werden.
Eine solche Aufforderung zur Dokumentensicherung bedeutet nicht, dass ein Verfahren bereits eröffnet wurde. Sie soll jedoch verhindern, dass möglicherweise relevante Daten verloren gehen, falls es später tatsächlich zu rechtlichen oder aufsichtsrechtlichen Schritten kommt.
Auch mehrere FIFA-Funktionäre wurden in der Aufforderung genannt: Präsident Gianni Infantino, der frühere Arsenal-Trainer und heutige Leiter der FIFA-Abteilung für globale Fußballentwicklung Arsène Wenger, Generalsekretär Mattias Grafström sowie Chief Operating Officer Kevin Lamour. Lamour hatte am Freitag in einer Mitteilung erklärt, der Präsident habe ihn und andere „getäuscht“.
Private Investoren sollten kommerzielle WM-Rechte bündeln
Infantinos Plan sah vor, rund 20 Prozent an den Fußball-Weltmeisterschaften zu einem angestrebten Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Eine neu gegründete Tochtergesellschaft sollte dafür die kommerziellen Rechte bündeln.
Als voraussichtlicher Leiter der Investorengruppe war Joshua Kushner über den Fonds „Thrive Eternal“ vorgesehen. Kushner ist der jüngere Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Greg Maffei, früher Präsident und Geschäftsführer von Liberty Media, war ebenfalls beteiligt; er ist zudem ein Spender Trumps. JP Morgan und OpenEconomics galten als potenzielle Investoren.
Für die FIFA wäre die Konstruktion eine grundlegende Veränderung gewesen: Kommerzielle Rechte an ihren wichtigsten Wettbewerben wären teilweise in eine Gesellschaft mit privaten Kapitalgebern verlagert worden. Für die Mitgliedsverbände hätte dies bedeutet, dass nicht allein Fußballorganisationen über die wirtschaftliche Verwertung der Weltmeisterschaften bestimmt hätten.
Der Widerstand mehrerer Kontinentalverbände stoppte den Plan
Die UEFA führte den Widerstand gegen das Vorhaben an und drohte mit einem Boykott der Weltmeisterschaften. Auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Verband AFC schlossen sich dem Protest an.
Damit fehlte Infantino die Aussicht auf die erforderliche Zustimmung von mindestens der Hälfte der 211 nationalen FIFA-Mitgliedsverbände.
In der Nacht zum Samstag ließ der FIFA-Präsident die Absage des Plans mitteilen. Der wirtschaftliche Vorstoß ist damit beendet, der Streit über seine Vorbereitung und die interne Führung jedoch nicht automatisch. Ob die UEFA ihre angekündigten Optionen tatsächlich nutzt, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Die Auseinandersetzung zeigt zugleich, wie die FIFA organisiert ist: Der Weltverband stützt sich auf nationale Mitgliedsverbände, während Kontinentalverbände wie die UEFA deren regionale Interessen bündeln. Wenn mehrere dieser Konföderationen gemeinsam Widerstand leisten, kann dies die notwendige Unterstützung für weitreichende FIFA-Projekte verhindern.
Sollten kommerzielle WM-Rechte grundsätzlich allein unter der Kontrolle der Fußballverbände bleiben, oder können private Investoren sinnvoll eingebunden werden?






























