Mit einem knappen Dank und ohne Erklärung hat die FIFA die Zusammenarbeit mit Betriebsdirektor Kevin Lamour beendet. Der Weltfußballverband bestätigte, dass das Arbeitsverhältnis mit dem Chief Operating Officer am 17. August 2026 endete. Gut zwei Wochen zuvor hatte Lamour Präsident Gianni Infantino wegen dessen inzwischen verworfener Investorenpläne scharf angegriffen und erklärt, einen möglichen Jobverlust in Kauf zu nehmen. Die FIFA dankte ihm für seine zwei Jahre im Dienst und wünschte ihm alles Gute. Einen Zusammenhang zwischen Lamours Kritik und der Trennung stellte der Verband nicht her; zu der Personalie werde es „keinen weiteren Kommentar“ geben.
- Kevin Lamour ist seit dem 17. August 2026 nicht mehr Betriebsdirektor der FIFA.
- Die FIFA nannte keine Gründe für das Ende der Zusammenarbeit.
- Lamour hatte Infantinos Plan zum Verkauf von Turnieranteilen an private Investoren öffentlich kritisiert.
- Nach Widerstand mehrerer Kontinentalverbände nahm die FIFA Abstand von dem Vorhaben.
Lamour nahm den Verlust seines Postens ausdrücklich in Kauf
Lamours eigene Aussagen stehen nun im Mittelpunkt der Personalentscheidung. In einem Schreiben, das der US-Nachrichtenagentur Associated Press vorlag, warf er Infantino vor, die Beschäftigten des Verbands hintergangen zu haben. Die Mitarbeiter hätten Besseres verdient als „Missachtung und Einschüchterung“.
„Wenn das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann sei es so“, hatte Lamour über die möglichen Folgen seiner öffentlichen Kritik erklärt.
In einer weiteren Formulierung schrieb er, er werde eine solche Entscheidung verstehen und respektieren: „Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen.“ Den Investorenplan bezeichnete er als „Projekt einer Person“ und verlangte indirekt weitergehende Konsequenzen. Die politischen Entscheidungsträger im Fußball müssten nun „die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen“.
Lamour ist französisch-schweizerischer Staatsangehöriger und war seit November 2024 als Betriebsdirektor der FIFA tätig. Zuvor hatte der 46-Jährige seit 2007 für die Europäische Fußball-Union UEFA gearbeitet, zuletzt als stellvertretender Generalsekretär. Ein Chief Operating Officer ist üblicherweise für die operativen Abläufe einer Organisation zuständig. Der Weggang betrifft damit nicht nur die öffentliche Debatte um Infantino, sondern auch eine zentrale Funktion im laufenden Verbandsbetrieb.
Der Investorenplan löste Widerstand im Fußball aus
Infantinos Konzept sah vor, Anteile an der Weltmeisterschaft und weiteren Turnieren an private Investoren zu verkaufen. Nach Kritik mehrerer kontinentaler Verbände, darunter der UEFA, gab die FIFA die milliardenschweren Pläne auf. Die UEFA droht weiterhin mit einem Boykott von FIFA-Turnieren.
Bereits im Juli war Infantinos leitender Berater Carlos Cordeiro wegen seiner Ablehnung des Vorhabens zurückgetreten. Nach einem Krisentreffen in Marokko stellte sich die FIFA-Führungsspitze jedoch demonstrativ hinter den Präsidenten. Infantino sammelt derzeit Unterstützer, um sich bei der Wahl im März im Amt bestätigen zu lassen.
Dass die FIFA keine Gründe für Lamours Ausscheiden nennt, bedeutet, dass offenbleibt, ob seine Kritik den Ausschlag gab oder andere Erwägungen hinter der Trennung stehen.
Für die Führungsdebatte im Weltfußball ist das dennoch bedeutsam: Innerhalb kurzer Zeit haben zwei hochrangige Funktionäre, die den Investorenplänen widersprachen, ihre Positionen verlassen. Das beweist keine gemeinsame Ursache, verstärkt aber die Frage, wie viel Raum leitende Mitarbeiter für öffentlichen Widerspruch gegen die Verbandsspitze haben. Für UEFA und FIFA berührt der Konflikt zudem grundsätzlich die Kontrolle über internationale Wettbewerbe und den Umgang mit privatem Kapital.
Wie sollte die FIFA mit öffentlicher Kritik aus den eigenen Führungsetagen umgehen?






























